Virtuell und voller Tatendrang: der Kick-Off von digital.engagiert 2021

Ob in der Bildung, in der Musik oder beim Theater – die zwölf Teams der vierten Förderrunde von digital.engagiert engagieren sich in vielfältigen zivilgesellschaftlichen Bereichen mit digitalen Lösungen. Beim diesjährigen Kick-Off lernten sich die Teams und ihre Coaches*Coachinnen kennen – aufgrund der Covid-19-Pandemie bereits zum zweiten Mal digital. Und wie funktionierte dabei der persönliche Austausch? Ganz einfach: Mit Hilfe eines parallelen Chats und kleineren virtuellen Break-Out-Räumen, in denen sich die Teams und ihre Coaches*Coachinnen trafen. 

Den Startschuss gaben ZiviZ-Geschäftsführer Dr. Holger Krimmer und der Country Manager von Amazon.de Ralf Kleber in Form eines Interviews. Sie erklärten, was das Besondere an der Initiative ist. „Vor allem die Vielfalt und Kreativität der Teams zeichnet digital.engagiert aus”, so Krimmer. „Nachdem sich in der vergangenen Förderrunde vieles um das Thema Schule und Bildung gedreht hat, ist mit Rap-Musik und Impro-Theater diesmal auch der Kulturbereich dabei. Man sieht: Die Teams sind mutig und packen etwas an – darauf freue ich mich.” Anschließend lernten sich die Teams und ihre Coaches*Coachinnen kennen. Hierzu stellten die Projekt-Teams sich und ihre Ideen in kurzen Pitches vor. Zu Beginn jeder Vorstellung verrieten die Coaches*Coachinnen, womit das jeweilige Team sie überzeugt hat und wie sie es in den kommenden sechs Monaten unterstützen werden. 

Am zweiten Tag starteten auch schon die ersten Coaching-Sessions: In virtuellen Break-Out-Räumen tauschten sich die Coaches*Coachinnen mit ihren Teams über ihre Ziele und die weitere Zusammenarbeit aus. Ab sofort werden diese Coaching-Sessions regelmäßig stattfinden – plus noch weitere Workshop-Angebote sowie individuelle Beratung durch zahlreiche Expert*innen aus dem Netzwerk von digital.engagiert

Zum Ende des Kick-Offs wartete noch ein Highlight auf die Teilnehmenden: Das Team von Die Affirmative veranstaltete eine Session ihres Improvisationstheaters, bei dem alle Interessierten mitmachen konnten. Die Kostprobe des digitalen Theaters rundete die gelungene Veranstaltung noch einmal ab. Alle Teilnehmenden waren von den zwei Tagen hellauf begeistert und freuen sich auf das, was kommt – vollgepackt mit Austausch von Know-how, digitalen Innovationen und kreativen Ideen. 

Bis August 2021 bleibt es nun sechs Monate lang spannend: Dann werden die drei Gewinner-Teams bekanntgegeben, die die Jury am meisten überzeugten. Sie erhalten ein zusätzliches Preisgeld von insgesamt 30.000 Euro, um auch im Anschluss an die Förderrunde weiter durchstarten zu können. 

digital.engagiert startet in die 4. Runde - mit diesen zwölf Teams

Jetzt geht’s los: digital.engagiert startet in die vierte Runde. Aus allen 230 eingereichten Projekten hat die Jury zwölf Projekte ausgewählt. Was erwartet die Teams nun? Eine ganze Menge Unterstützung: von finanzieller Förderung über umfangreiches Coaching bis hin zu einem breiten Netzwerk an Expert*innen aus Technologie, Zivilgesellschaft und Sozialunternehmen. Seit dieser Runde neu dabei in der Jury: Autorin und Unternehmerin Tijen Onaran. Sie freut sich auf die Projekte: „Digitales Engagement ist wichtiger denn je! Daher freue ich mich sehr, dass nun zwölf Teams in den kommenden sechs Monaten aktiv an Innovation und Zukunft arbeiten. Die Teams haben das, was wir in diesen Tagen mehr denn je brauchen: den Mut zum Machen!“ Am 25. und 26. Februar lernen die Teams ihre Coach*innen in einem virtuellen Kick-Off kennen. Vorab stellen wir hier schon einmal die zwölf neuen Teams vor:

 

Die Affirmative:

Im Improvisations-Theater können sich Jugendliche persönlich und kreativ weiterentwickeln. Mit dem Projekt Spotlight Spontan möchte Die Affirmative allen jungen Menschen Improvisations-Theater zugänglich machen – und das digital. Über das Online-Portal können Jugendliche digitale Improtheater-Workshops buchen und sich miteinander vernetzen.

 

Hacker School gGmbH:

Die Hacker School bietet spannende Programmier-Projekte an, um junge Menschen für IT und Programmieren zu begeistern. Nun möchte sie ihr Angebot “Hacker School@home” kurzfristig in die Schulen bringen. Das Ziel: Schüler*innen ans Programmieren heranführen, IT-Azubis zu Lehrkräften fortbilden und Lehrer*innen zeigen, wie sie dabei unterstützen können.

 

Haydee! e. V:

Viele Kinder haben es in der Schule schwerer als ihre Mitschüler*innen. Haydee! unterstützt  sie mit digitaler Nachhilfe und sorgt so für mehr Chancengerechtigkeit. Die Initiative bringt ehrenamtliche Mentor*innen und Mentees zusammen. Zudem können sich Mentor*innen vernetzen und ihr Know-how miteinander teilen.

 

LOVIS:

Das Projekt LOVIS entwickelt eine App, über die sich Teenager anonym und altersgerecht über Themen der sexuellen Entwicklung informieren können – und zwar per Chatbot. LOVIS beantwortet die Fragen der Jugendlichen auf Basis von Fachwissen, um sie in ihrer freien und individuellen Entwicklung zu unterstützen.

 

MEIN MUTIGER WEG GbR:

Um Ausbildungs- und Studienabbrüche zu verhindern, kommt es auf eine moderne und nachhaltige Berufsorientierung an Schulen an. Die digitale Plattform TRAUMJOB CAMPUS vermittelt Schüler*innen altersgerecht und interaktiv, worauf es in bei der Berufswahl ankommt. Ausgewählte Coaches unterstützen dabei individuell.

 

naklar.io GmbH & Co. KG:

Viele Schüler*innen benötigen mindestens einmal während ihrer Schullaufbahn Nachhilfe in einem Fach – doch die außerschulische Lernhilfe ist für viele Familien schlicht zu teuer. Die App naklar.io vernetzt Schüler*innen mit geprüften ehrenamtlichen Tutor*innen: ob per Audiochat, Videochat oder einer virtuellen Tafel.

 

Netzwerk für Demokratie und Courage e.V.:

Antisemitismus ist noch immer ein großes gesellschaftliches Problem. Das Netzwerk für Demokratie und Courage digitalisiert nun sein interaktives Bildungsangebot für Jugendliche: Durch Austausch, Online-Fortbildungen und Online-Veranstaltungen lernen die Jugendlichen Kompetenzen, um sich couragiert gegen Antisemitismus im Alltag einzusetzen.

 

Novaheal:

In Pflege-Ausbildungen liegen Theorie und Praxis oft weit auseinander. Die Folge: viel zu viele Ausbildungsabbrüche. Novaheal entwickelt eine digitale Lernplattform für Pflege-Azubis, um diesem Trend entgegenzuwirken. Auf interaktive und spielerische Art vermittelt die Plattform Lerninhalte, um die Pflege-Ausbildung nachhaltig zu verbessern.

 

Rapper* ohne Grenzen:

Rapper* ohne Grenzen möchte Kindern weltweit helfen, die englische Sprache zu lernen – und zwar mit Rap. In Form von Online-Workshops planen sie, den Kindern das Schreiben von Texten und das Erstellen von Instrumentalmusik beizubringen – mit gegenseitiger Unterstützung und angeleitet von Rapkünstler*innen auf der ganzen Welt.

 

Schule ein Gesicht geben e.V.:

Schulen sollten für Kinder demokratische Orte sein, an denen sie mitgestalten und mitbestimmen können. Um das große Potenzial von Schülervertretungen zu nutzen, hat sich der Verein “Schule ein Gesicht geben” etwas ausgedacht: Das Team stellt Klassensprecher*innen und Schüler*innenvertretungen Know-how durch eine App zur Verfügung: barrierefrei, interaktiv und intuitiv bedienbar.

 

Vote Rookie:

Politische Teilhabe bildet für junge Menschen oft eine große Hemmschwelle. Vote Rookie möchte das ändern: Auf ihrer digitalen Plattform können junge Menschen Bürgerinitiativen oder Abstimmungen zu eigenen Themen starten – und so gleichzeitig politische Medienkompetenz lernen.

 

WOHN:SINN:

Inklusive Wohnformen für Menschen mit Behinderungen zu schaffen ist keine einfache Aufgabe. WOHN:SINN will eine barrierefreie Lernplattform entwickeln, auf der Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen, Fachkräfte und Beratungsstellen voneinander lernen. Die interaktive Community beantwortet alle Fragen rund um inklusive Wohnformen schnell und einfach.

Die Jury hat entschieden: Das sind die drei Gewinner-Teams

Ob beim virtuellen Lernen, bei der Organisation des Unterrichts von zu Hause oder bei der ehrenamtlichen Weiterbildung: Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern stoßen hier oft an ihre Grenzen – gerade während der COVID-19-Pandemie. Die 12 Teams der dritten Förderrunde von digital.engagiert entwickeln in ihren Projekten digitale Lösungen, um diese Herausforderungen zu meistern. Nun wurden die drei Gewinner-Teams ausgezeichnet. Sie erhalten Preisgelder von insgesamt 30.000 Euro.

Bei der Auswahl der Gewinner-Teams wurde die Bedeutung von neuen Bildungsangeboten in Zeiten von Home-Schooling deutlich. „Wir erleben leider gerade in den Zeiten der Coronakrise, dass wir im Bereich der digitalen Bildung nicht dort stehen, wo wir stehen müssten“, sagte Dorothee Bär, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung in ihrer Willkommensbotschaft. Bär betonte die Bedeutung von außerschulischen Impulsen: „Da leistet die Zivilgesellschaft einen ganz herausragenden Beitrag.“

Das Düsseldorfer Start-up Sharezone, gegründet von den zwei 19-jährigen Studierenden Nils Reichardt und Jonas Sander, hat die Jury während der Förderphase besonders überzeugt. Mit einem digitalen Hausaufgabenheft, Video-Konferenzen und vielen weiteren nützlichen Funktionen bietet Sharezone Schüler:*innen, Eltern und Lehrkräften eine Plattform, um den digitalen Schulalltag zu organisieren. Jurymitglied Lars Schmitz, Digital Innovation Lead bei Amazon Web Services (AWS), lobte die beiden Gründer: „Die größte Stärke der Plattform Sharezone ist, dass sie von jungen Menschen entwickelt wurde – inspiriert von ihren ganz persönlichen Erfahrungen aus dem Schulalltag. Diese Nähe zur Zielgruppe, die große Relevanz während des Lockdowns und das unternehmerische Denken der jungen Gründer hat die Jury überzeugt.“ Begleitet wurde Sharezone von Coach Jonas Deister, Geschäftsführer des Vereins Sozialhelden.

Auf den zweiten Platz schaffte es der Verein Corona School aus Bonn. Aus der besonderen Situation des Home-Schoolings während der COVID-19-Pandemie entstanden, vermittelt das Projekt den Kontakt zwischen Schüler*innen und Studierenden für eine kostenlose, digitale Lernbetreuung per Video-Chat. Außerdem bietet der Verein kostenlose digitale Kurse zu zukunftsrelevanten Themen für Schüler*innen an.

Den dritten Platz erreichte das Projekt juleica.digital mit einer App zur digitalen Ausbildung ehrenamtlicher Betreuer*innen von Kinder- und Jugendgruppen. Die App vermittelt Teilnehmenden das nötige Wissen, um die bundesweit einheitliche Qualifikation der „Jugendleiter*innen-Card“ (JuLeiCa) zu erlangen.

„Alle 12 Teams der nun abgeschlossenen Förderrunde adressieren in ihrer Arbeit höchst aktuelle Herausforderungen. Mit der COVID-19-Pandemie ist der Bedarf an digitalen Ansätzen, die klassische analoge Formate ergänzen, noch einmal dramatisch gestiegen – nicht nur in der Bildung, sondern zum Beispiel auch im Bereich der Qualifizierung von Ehrenamtlichen in Vereinen und Verbänden“, sagte Prof. Dr. Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbands, bei der Preisverleihung.

Über ein halbes Jahr hatten die 12 teilnehmenden Teams – ausgewählt aus 172 Bewerbungen – ihre Ideen weiterentwickelt und umgesetzt. Dabei wurden sie von Mitarbeiter*innen von Amazon, AWS und dem Stifterverband sowie von persönlichen Coaches und weiteren Expert*innen begleitet und haben finanzielle Unterstützung im Wert von insgesamt 120.000 Euro erhalten. Die Gewinner bekommen zusätzlich ein Preisgeld von insgesamt 30.000 Euro.  

Die vierte Förderrunde des Programms steht bereits in den Startlöchern: 230 Bewerbungen sind bei den Initiatoren eingegangen, aus denen die Jury nun 12 neue Projekte zur Förderung auswählt. „In der Zivilgesellschaft und im Bildungsbereich schlummert ein unglaubliches Potenzial für digitale Ideen. Die 230 neuen Bewerbungen bei digital.engagiert zeigen uns erneut, wie hoch die Relevanz ist – gerade während der Pandemie. Wir wollen helfen, dieses Potenzial zu entfalten”, so Ralf Kleber, Country Manager von Amazon.de.

IT4Kids: Vom lokalen Projekt zur deutschlandweiten Bewegung

Programmieren in der Grundschule? Bislang stehen dort nur Lesen, Schreiben und Rechnen auf dem Stundenplan. IT4Kids aus Aachen will das ändern und bringt Informatikunterricht an Grundschulen in ganz Deutschland. Das Konzept: Studierende gehen als Kursleiter*innen in die Klassen und erarbeiten mit den Kindern spielerisch die Grundlagen des Programmierens. Außerdem zeigen sie Lehrkräften, wie IT-Unterricht auch mit jungen Schüler*innen funktionieren kann. digital.engagiert unterstützt das IT4Kids-Team dabei.

„Programmieren klingt erstmal sehr abstrakt – nicht unbedingt etwas, das man einer Viertklässlerin oder einem Viertklässler zutraut. Doch wenn ich mit den Schülerinnen und Schülern ihr eigenes Spiel programmiere, sind sie sofort begeistert und mit Feuereifer dabei“, sagt Johanna Tolzmann. Die 22-jährige Informatik-Studentin ist bei IT4Kids für das Lehrkonzept verantwortlich und geht auch selbst als Kursleiterin in Grundschulklassen. Insgesamt engagieren sich bei der Initiative rund 120 Studierende. Sie bieten in vielen Regionen Deutschlands IT-Kurse für die Klassen 3 bis 5 an. „Von Informatik selbst muss man keine Ahnung haben, um als Kursleitung bei uns mitzumachen. Stattdessen sind viel Kreativität und Geduld im Umgang mit den Kindern wichtig“, sagt Johanna. Alles weitere ist Teil der Ausbildung, die jede*r neue Kursleiter*in vom IT4Kids-Team erhält.

Mit ihrem Angebot schließen die Studierenden von IT4Kids eine Lücke in der deutschen Bildungslandschaft: „Informatikunterricht an Grundschulen ist in Deutschland zwar politisch gewollt, an vielen Schulen fehlt aber eine Lehrkraft, die sich das zutraut und dem Thema annimmt“, erklärt Projektleiter Fynn Mazurkiewicz. Hier setzt das Konzept von IT4Kids an: Partnerschulen erhalten nicht nur kostengünstige Programmierkurse für ihre Grundschulklassen, sondern auch Unterstützung bei der Erarbeitung eines Konzepts, mit dem die Lehrkräfte langfristig selbst den IT-Unterricht fortführen können. Welche Lernmethoden funktionieren in welchem Alter? Welche Geräte und Programme sollte die Schule anschaffen? Das IT4Kids-Team liefert Antworten auf drängende Fragen. In virtuellen Workshops bietet das Team zudem auch Lehrkräften aus ganz Deutschland an, die IT4Kids-Kursleitungs-Ausbildung zu durchlaufen, um selbstständig IT-Kurse anbieten zu können.

Mithilfe von digital.engagiert will das Team von IT4Kids weiter expandieren. „Mit der Teilnahme an digital.engagiert haben sich unser Selbstbewusstsein und Blick in die Zukunft grundlegend verändert. Wir sehen uns nicht mehr als Projekt aus Aachen, sondern als deutschlandweite Bewegung“, sagt Fynn. Das Team plant, weitere Standorte in ganz Deutschland zu etablieren, und sucht dafür Studierende, die als soziale Gründer die Standortleitung übernehmen wollen. Sogar internationale Kooperationen in Belgien und den Niederlanden kann sich das Team in Zukunft vorstellen. Doch nicht nur das Selbstbewusstsein der Initiative wurde durch digital.engagiert gestärkt, auch ihre technische Infrastruktur bekam dank Hilfe von Amazon Web Services (AWS) ein Update. Das ist wichtig, damit in Zukunft alle virtuellen Angebote reibungslos funktionieren. Lars Schmitz, Digital Innovation Lead bei AWS, lobt das IT4Kids-Team: „Es macht großen Spaß, mit dieser hochmotivierten Truppe zusammenzuarbeiten. Sie haben Großes vor, und ich bin sicher, dass sie ihre Ziele erreichen werden.”

Zum Abschluss des sechsmonatigen Förderzeitraums zieht Fynn Bilanz: „Die Bewerbung bei digital.engagiert war super einfach, und für den geringen Aufwand bekommen die ausgewählten Teams wahnsinnig viel Unterstützung. Wir haben sowohl im Bereich Technik als auch beim Thema Business einen großen Schritt nach vorne gemacht und unheimlich viel gelernt.“

Mehr Infos zum Lehrkonzept und den Expansionsplänen von IT4Kids gibt es auch auf dem IT4Kids-Instragram-Kanal.

Rekord! So viele Bewerbungen gab's noch nie

Gerade endete die Bewerbungsfrist für die vierte Förderrunde von digital.engagiert. 230 Bewerbungen sind bei uns eingegangen. Damit habt ihr den Rekord aus der vergangenen Förderrunde von 170 Bewerbungen mehr als deutlich gebrochen.

Wie geht es jetzt weiter? Am 9. Februar 2021 wählt unsere Jury die 12 teilnehmenden Projekte für die neue Förderrunde aus. Im Anschluss daran werden wir sie euch bekannt geben.

Wir bedanken uns bei allen Teams für die Bewerbungen und wünschen euch viel Erfolg!

Den Schulalltag per App organisieren – mit Sharezone

Digitaler Unterricht und Home-Schooling – im Lockdown stehen Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern vor der großen Herausforderung, das Lernen zu Hause zu organisieren. Die App Sharezone schafft Abhilfe: mit einem digitalen Hausaufgabenheft, Video-Konferenzen und vielen weiteren nützlichen Funktionen, um den digitalen Schulalltag zu organisieren. Mit Sharezone sind die beiden Gründer Nils Reichardt und Jonas Sander Teil der aktuellen Förderrunde von digital.engagiert

Im Unterricht nicht alles notiert oder diesen einen Zettel nicht zur Hand, auf dem alle wichtigen Informationen stehen: ganz alltägliche Probleme für Schüler*innen. Schnell im Klassenchat um Hilfe bitten? Das führt nicht immer zum Erfolg: „Oft sind nicht alle in der gleichen Gruppe oder es antwortet einfach niemand“, sagt Nils Reichardt. Der 19-jährige Düsseldorfer nahm sich noch während des Abiturs vor, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Er war sich sicher: „Alle haben mittlerweile ein Smartphone. Damit muss es doch möglich sein, den Schulalltag zu organisieren.“ Gesagt, getan: Zusammen mit Jonas Sander gründete Nils vor etwa zwei Jahren die Plattform Sharezone. „Wir haben früher zusammen Badminton gespielt, haben uns dann aber aus den Augen verloren. Als Nils gerade die Idee für Sharezone hatte, liefen wir uns zufällig über den Weg – im Internet“, sagt Jonas. Nils überzeugte Jonas von seiner Idee und davon, sein IT-Wissen bei der Programmierung von Sharezone einzubringen. 

Seitdem ist viel passiert. Zunächst startete Sharezone mit einem digitalen Klassenplaner, in dem Hausaufgaben und Klausurtermine eingetragen werden. Mittlerweile bietet die Plattform noch einige Funktionen mehr, um den Schulalltag digital zu organisieren. Ob Video-Konferenzen, eine Dateiablage für Materialien aus dem Unterricht oder eine Erinnerungsfunktion – mit der App hat die ganze Schulklasse Zugriff auf alles Wichtige. Auch Lehrkräfte und Eltern sollen in Zukunft die Plattform stärker nutzen, damit keine Informationen mehr verloren gehen können. Ob Arbeitsblätter oder Einladungen zum Elternabend – alles wird digital abrufbar sein. 

Die digitale Organisation des Schulalltags kommt gut an: Bis Anfang 2020 konnten Nils und sein Team bereits 50.000 registrierte Nutzer*innen verzeichnen, mittlerweile sind es schon über 175.000. Denn mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie nahm die Bedeutung digitaler Tools in der Bildung noch einmal deutlich zu. Und gerade für das Homeschooling bietet Sharezone als „digitaler Klassenraum“ eine echte Hilfe. „An manchen Tagen hatten wir mehr als 1.500 neue Anmeldungen, das war ein tolles Gefühl“, sagt Jonas. 

Zusammen mit digital.engagiert bauen die beiden Gründer Sharezone weiter aus. Ihr Coach Jonas Deister von Sozialhelden e.V. unterstützt sie dabei: „Wir sprechen uns fast jede Woche und diskutieren, wie wir unser Geschäftsmodell weiterentwickeln oder weitere Unterstützer*innen für Sharezone gewinnen. Jonas und das ganze Netzwerk von digital.engagiert haben uns sehr weiter geholfen“, erzählt Nils. Auf die Unterstützung von Amazon Web Services (AWS) konnten die jungen Gründer ebenfalls zählen. „Gerade bei dem wichtigen Thema Datenschutz konnten wir auf die Expertise von AWS bauen.” Dieses Fachwissen ist umso wertvoller, da die beiden Gründer nun den nächsten Schritt mit ihrer Plattform machen wollen: Sie planen eine Schullizenz, mit der Schulen über alle Klassen hinweg den Lernalltag organisieren können. Nils erklärt: „Mit diesem Geschäftsmodell wollen wir uns so aufstellen, dass Sharezone sich in Zukunft selbst finanziert.“ 

Digitales Meet-up: Teams der aktuellen Förderrunde stellen sich vor

Trefft drei unserer Teams beim digitalen Meet-up von N3XTCODER am 14. Januar 2021!

Ihr habt Fragen zu digital.engagiert oder wollt von teilnehmenden Teams aus erster Hand erfahren, wie die Förderinitiative ihnen geholfen hat? Dies ist eure Chance!

Beim digitalen Meet-up von N3XTCODER am 14. Januar 2021 von 14.00 bis 15.00 Uhr stellen sich ApplicAid, IT4Kids und Dare2Care vor und erzählen, was sie in den vergangenen sechs Monaten Förderzeitraum erreicht haben. Anschließend beantworten wir eure Fragen zur Bewerbung und Teilnahme an digital.engagiert.

Die Teilnahme am Meet-up steht allen offen und ist kostenlos. Ihr könnt das Event live über Youtube verfolgen.

Für weitere Infos besucht die N3XTCODER Website.

Wir freuen uns auf euch!

Jetzt bewerben für die Förderrunde 2021!

digital.engagiert startet in die nächste Runde: Auch im nächsten Jahr fördern wir wieder 12 Projektteams, die die digitalen Fähigkeiten von jungen Menschen stärken wollen. Engagiert Ihr euch mit digitalen Ansätzen für die Gesellschaft? Wir freuen uns auf eure Bewerbung!

Im Fokus der Initiative stehen Ideen und Initiativen von jungen Menschen, die sich mit digitalen Mitteln für die Gesellschaft stark machen. Außerdem können sich Projektteams bewerben, die digitale Angebote für junge Menschen entwickeln. Neben finanzieller Förderung erhalten die ausgewählten Teams ein halbes Jahr lang individuelles Coaching und Zugang zu einem breiten Netzwerk an Fachleuten. Zwischen dem 14. Dezember 2020 und dem 17. Januar 2021 könnt Ihr Eure Bewerbung über die Website von digital.engagiert einreichen. Die Förderung im Rahmen von digital.engagiert geht weit über finanzielle Unterstützung hinaus. Die ausgewählten Teams werden sechs Monate lang individuell von einem Coach*in betreut, erhalten Unterstützung von weiteren Expert*innen in Workshops und Trainings und können sich im großen Netzwerk der Initiative mit anderen Engagierten in Vereinen und Gründer*innen austauschen. Zusätzlich erhält jedes Team insgesamt €10.000 finanzielle Förderung und hat Chancen auf weitere Preisgelder.

Von Vereinen über Bürgerinitiativen bis hin zum Start-up – die Bandbreite der 39 Teams, die bereits an digital.engagiert teilgenommen haben, ist groß. 2019 belegte zum Beispiel der Deutsche Badminton-Verband mit Racketmind den ersten Platz – für eine neue Plattform zur Aus- und Weiterbildung von Trainer*innen. Das Team von KlimaKarl aus Bremen war im Jahr zuvor erfolgreich: Mit einem Chatbot bringen sie den Klimaschutz in die Büros von Unternehmen.

Seid dabei und stellt uns Eure Idee vor! Ihr seid nicht sicher, ob Euer Projekt in Frage kommt? Wir beantworten Eure Fragen gerne persönlich unter digital.engagiert@stifterverband.de.

Held*innen gegen Fake News und Cybermobbing

Viele Kinder und Jugendliche sind jeden Tag mit Hasskommentaren und anderen Herausforderungen im Internet konfrontiert. Zwar ist die Nutzung von Smartphone und sozialen Plattformen heute Alltag, doch ein verantwortungsvoller Umgang damit noch selten geübt. Das will die Organisation Digitale Helden ändern. Sie bildet junge Mentor*innen wie Lea Schäfer aus Hessen zu Digitalen Held*innen aus und steht auch Lehrkräften und Eltern unterstützend zur Seite.

Für Jugendliche sind Beleidigungen und Cybermobbing in sozialen Medien oder Klassenchats eine häufige Herausforderung. „Alle haben ein Smartphone, aber viele wissen nicht, wie sie mit solchen Situationen richtig umgehen. Dafür sind wir Digitale Held*innen da“, sagt Lea. Sie besucht seit drei Jahren regelmäßig Klassen und Elternabende an ihrer Schule in Hessen, um über den richtigen Umgang mit sozialen Medien aufzuklären und für mehr digitale Zivilcourage zu werben. Gelernt hat sie das mithilfe der Organisation Digitale Helden. Das Konzept funktioniert so: Engagierte Jugendliche der Klassen 8 bis 10 durchlaufen ein Mentoringprogramm mit Online-Kursen und Gruppen-Treffen, begleitet durch eine Lehrkraft. Sie lernen, wie sich Mobbing in sozialen Netzwerken verhindern lässt, wie sie fragwürdige Quellen erkennen können und was es mit dem Schutz persönlicher Daten und des Urheberrechts auf sich hat. Anschließend geben sie ihr Wissen an Schüler*innen der jüngeren Jahrgangsstufen weiter. Schon 166 Schulen in Deutschland arbeiten mit den Digitalen Helden zusammen.


Lea Schäfer aus Hessen ist seit 2017 als Digitale Heldin an ihrer Schule aktiv, Foto: Lea Schäfer

Das Angebot der Digitalen Helden deckt einen Bedarf, mit dem sich viele Pädagog*innen derzeit überfordert sehen. „Lehrkräfte haben oft das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Sie nutzen selten soziale Netzwerke und haben keinen Zugang zu digitalen Sub- und Jugendkulturen“, sagt Alia Pagin. Sie ist Projektleiterin bei den Digitalen Helden und hat in einer Umfrage 70 Lehrkräfte zu Problemen wie Cybermobbing und Hasskommentare befragt. Dabei hat sie herausgefunden, dass Lehrkräfte zwar über viele Missstände Bescheid wissen, aber ihre eigenen Möglichkeiten unterschätzen, mit vorbeugenden Maßnahmen einzugreifen. Die Digitalen Helden bieten deshalb neben dem Ausbildungsprogramm für junge Mentor*innen auch Online-Kurse an, die sich gezielt an Lehrkräfte und Eltern richten. In den Webinaren lernen die Teilnehmer*innen, wie sie Medienkompetenzen mit Kindern und Jugendlichen trainieren können, und erhalten dazu passende Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter.

Um diesen Teil ihrer Arbeit weiter auszubauen und bekannter zu machen, hat das Team von Digitale Helden eine Idee: die Digitale Helden Akademie. Als Wissensplattform rund um den kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien soll die Online-Akademie zentrale Anlaufstelle für Lehrkräfte und interessierte Eltern sein. digital.engagiert unterstützt die Digitalen Helden beim Aufbau der Online-Akademie mit finanzieller Hilfe, Coaching und Zugang zu einem breiten Netzwerk an Fachleuten aus Tech und Bildung. Claudia Winkler, Mitgründerin von goood e.V., steht dem Team als Coachin zur Seite. „Claudia hat uns in Videokonferenzen hilfreiche Tipps und Strategien für die Entwicklung unserer Online-Angebote mit an die Hand gegeben. Wir bleiben bestimmt auch über die Förderung hinaus im Austausch“, sagt Florian Borns, geschäftsführender Gesellschafter bei Digitale Helden.


Lehrkräfte begleiten die Ausbildung der jungen Mentor*innen mit Online-Kursen und Arbeitsgemeinschaften, Foto: Digitale Helden_Holger Menzel

Zum Start bietet die Akademie drei Kurse: „Mit Respekt im Klassenchat“ bietet eine Unterrichtsgrundlage, um mit Schüler*innen gemeinsam Regeln für die Kommunikation im Chat aufzustellen. Der Kurs „Recherchekompetenzen für Demokratie“ bereitet Lehrkräfte darauf vor, ihre Klassen für Falschinformationen im Netz zu sensibilisieren. Ganz neu im Programm ist der Kurs „Gemeinsam gegen Hass im Netz“: Hier lernen Lehrkräfte, wie sie Hetze und extremistische Äußerungen im Umfeld ihrer Schule wahrnehmen und dies in den Stufen 8 bis 11 in Unterrichtseinheiten zum Thema machen können. Der Kurs sowie die begleitenden Unterrichtsmaterialien sind kostenfrei auf der Digitale Helden Website abrufbar. Florian Borns erklärt: „Für eine positive Kommunikation und Kultur im Netz sind wir alle verantwortlich – unsere Kurse helfen dabei, diese Botschaft den Jugendlichen zu vermitteln.“

Mit dem Smartphone ins Beet – Das Projekt Garten-Real-Digital

Fehlender Nachwuchs und die Folgen des Klimawandels – vor diesen Herausforderungen stehen viele Gartenbauvereine. Der Verein Thaleischweiler-Fröschen 1890 e.V. aus der Pfalz hat sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht: Über die Digitalisierung wollen sie wieder mehr Jugendliche für die Gartenarbeit gewinnen und klimaresistente Gärten schaffen. Mit ihrem Projekt Garten-Real-Digital sind sie Teil der aktuellen Förderrunde von digital.engagiert.

Vor fünf Jahren übernahm Martin Klausmann den Vorstandsposten des Obst- und Gartenbauvereins Thaleischweiler-Fröschen 1890 e.V. Er fand einen Verein vor, der etwas in die Jahre gekommen war: „Das Durchschnittsalter lag bei etwa 70 Jahren“, sagt Martin. Junge Menschen für die Vereinsarbeit zu gewinnen, wurde Ziel und Herausforderung – wie für viele kleine Vereine auf dem Land. Doch das ist nicht die einzige Aufgabe, die Martin und seine Vereinskameradinnen und -kameraden bewältigen müssen: „In Zukunft werden wir durch den Klimawandel nicht mehr so gärtnern können, wie wir es bisher gekannt haben. Auch dafür müssen wir uns nachhaltige Konzepte überlegen“, erklärt er. Seine Idee: Mit digitalen Projekten Kinder und Jugendliche für den Gartenbau gewinnen und gleichzeitig Gärten resistent gegen den Klimawandel machen. Der Name für dieses Vorhaben war schnell gefunden: Garten-Real-Digital!

Mit Hilfe von Gartenarbeit Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit anschaulich vermitteln – Garten-Real-Digital will genau das: Gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Ort installiert Martin zum Beispiel Sensoren, die Feuchte und Temperatur im Boden und die Sonneneinstrahlung messen. Diese Daten werden an eine App gesendet, mit deren Hilfe die jungen Gärtnerinnen und Gärtner eine digitale Bewässerungsstation bedienen – direkt aus dem „Garten-IT-Haus“. Welche Pflanzen kommen mit weniger Wasser oder höheren Temperaturen besser zurecht? Müssen einige Blumen zukünftig an schattigeren Orten gepflanzt werden? Antworten auf diese Fragen lassen sich direkt aus den Daten ablesen. Auch Gruppen aus dem örtlichen Kindergarten sind regelmäßig zu Gast im Gartenbauverein. Von der Aussaat bis zur Ernte – der Vereinsnachwuchs ist immer dabei und lernt die Tricks und Kniffe der gestandenen Mitglieder.

In Zukunft soll Thaleischweiler-Fröschen Vorbild für Gartenbauvereine in ganz Deutschland werden, denn im Kampf gegen den Klimawandel ist Nachahmung erwünscht: „Die Daten aus unserem Garten wollen wir auf einer Web-Plattform sammeln und öffentlich zugänglich machen. Ganz besonders wollen wir andere Vereine ansprechen, die so eine Möglichkeit erhalten, Jugendliche über die Digitalisierung für das Thema Garten zu interessieren“, erklärt Martin.

Bei der Umsetzung der Plattform erhalten Martin und sein Verein Unterstützung von digital.engagiert. Besonders wichtig dabei ist das individuelle Coaching der Projektteams. Louise Buscham von der Stiftung Bürgermut steht dem Garten-Real-Digital-Team mit all ihrer Erfahrung im Projektmanagement zur Seite. „Konsequent und mit viel Humor hat Louise uns geholfen, unserem Ziel in klar definierten Schritten unaufhörlich näher zu kommen“, erzählt Martin. Hinzu kommen finanzielle Förderung sowie der Austausch mit anderen zivilgesellschaftlichen Projekten in einem großen Netzwerk. Die vielschichtige Unterstützung hilft den Vereinsmitgliedern dabei, ihre Idee zum Erfolg zu machen. Und so gibt es hoffentlich bald in vielen weiteren Obst- und Gartenbauvereinen begeisterten Nachwuchs, der den Garten fit für die Zukunft machen will.

Martin war auch vor Kurzem im Podcast Digitale Provinz zu Gast und hat über das Projekt berichtet. Hört doch mal rein!