Aktiv gegen Antisemitismus – Aus analog mach‘ digital

Digital und engagiert: Beim ‚Future of Education Hackathon #3‘ hat das Team viele Kontakte digital knüpfen können und wertvollen Input von Coach*innen, Expert*innen und den anderen Teams erhalten. (Foto: © www.netzwerk-courage.de)
Voller Tatendrang wird im Rahmen von digital.engagiert an einem Konzept für digitale Projekttage und an einer Social Media-Strategie zur gezielten Ansprache von Jugendlichen gearbeitet. (Foto: © www.netzwerk-courage.de)
Aktiv gegen Antisemitismus: Das Netzwerk für Demokratie und Courage Sachsen-Anhalt e.V. klärt junge Menschen auf und vermittelt Argumentations- und Handlungskompetenz. (Foto: © www.netzwerk-courage.de)

Antisemitismus ist noch immer ein Problem in Deutschland. Das lässt sich beispielsweise nicht nur an Hassrede in Social Media spüren, sondern auch in Zahlen belegen: Antisemitische Vorfälle haben deutlich zugenommen. 1.909 Fälle hat der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) 2020 erfasst. 450 mehr als im Vorjahr. Antisemitismus wird lauter, die Bemühungen dagegen dürfen aber nicht leiser werden. Das Netzwerk für Demokratie und Courage Sachsen-Anhalt e.V. (NDC) setzt sich für Demokratie und gegen menschenverachtende Einstellungen ein.

Als eins von 12 digital.engagiert-Teams klärt das Netzwerk für Demokratie und Courage Sachsen-Anhalt e.V. junge Menschen an digitalen Projekttagen auf und zeigt ihnen, wie sie gegen die verschiedenen Ausprägungen von Antisemitismus vorgehen.

 

Wissen, Partizipation und kritischer Austausch

„Die sozialen Medien, die Pandemie und das Verschwörungsdenken sind ein Einfallstor für Antisemitismus, sie befeuern ihn. Ich möchte etwas gegen menschenverachtende Denkweisen und Gewalttaten gegenüber Jüdinnen, Juden sowie jüdischen Einrichtungen tun. Meine Motivation ist, Antisemitismus anzugehen,“ berichtet Doreen. Sie ist hauptberuflich für das NDC Sachsen-Anhalt tätig und Kopf des digital.engagiert-Projektteams. Gemeinsam mit zwei Kolleg*innen und ehrenamtlichen Helfer*innen veranstaltet sie Projekttage zum Thema Antisemitismus für Schüler*innen ab 15 Jahren. Denn: Die politische Bildungsarbeit an Schulen, in Jugendeinrichtungen und Kulturzentren ist grundlegend, um Demokratie und Menschenrechte zu stärken.

Ehrenamtliche zwischen 18 und 30 Jahren, die sich zivilgesellschaftlich engagieren möchten und vom NDC vorab zu Multiplikator*innen ausgebildet wurden, leiten die Veranstaltungen. Gemeinsam mit den Jugendlichen beschäftigen sie sich mit Themen rund um Antisemitismus: Was ist das? Woran erkenne ich Antisemitismus im Alltag? Die Sensibilisierung für das Thema soll präventiv wirken und zur weiteren Auseinandersetzung motivieren. Die jungen Menschen erwerben nicht nur Wissen, sondern auch Handlungskompetenz: Was kann ich tun? Wie handle ich bei einer Konfrontation? Das NDC ermutigt Jugendliche dazu, couragiert im Alltag zu handeln. Der partizipative Charakter der Projekttage, das Erschließen von Inhalten auf eigenen Wegen und das kritische Reflektieren, aber auch der Austausch auf Augenhöhe zwischen Schüler*innen und Ehrenamtlichen ermöglichen es den Teilnehmenden, sich intensiv und in einem geschützten Raum mit den Themen zu beschäftigen – bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie in Form von Präsenzveranstaltungen.

 

Projekttage in digital

„Zwar ist der Umstieg auf digitale Projekttage in Anbetracht der gegenwärtigen Situation ein Muss, jedoch ergeben sich daraus gleichzeitig vielfältige Möglichkeiten für uns,“ erklärt Doreen. Das Team versteht die digitalen Projekttage als Chance, sich breiter aufzustellen – thematisch, methodisch und personell. Außerdem nimmt die Reichweite einer Veranstaltung damit stark zu, denn jede*r kann bequem vom heimischen Sofa aus teilnehmen. Das überzeugt auch Schulen und Jugendclubs, teilzunehmen. Was aber noch viel wichtiger ist: Bisher gibt es nur wenige digitale partizipative Bildungsangebote zum Thema Antisemitismus. Das Programm des NDC füllt eine Lücke.

 

digital.engagiert als Initialzündung

„Für unsere digitale Neukonzeption kam die digital.engagiert-Ausschreibung sehr gelegen,“ erzählt Doreen. Seit Beginn des Förderzeitraums hat das Team ein Konzept für ein digitales Eventformat erarbeitet. Mittlerweile steht das Konzept. Schwerpunkt ist das Thema jüdischer Widerstand. In mehreren thematischen Blöcken wird darüber gesprochen, was Antisemitismus ist, welche Funktions- und Wirkungsweisen dahinterstecken und wie man konkret dagegen vorgehen kann. Das Ganze in Form von Begriffserklärungen, Quizze, offenem Austausch sowie der Vermittlung von Handlungskompetenz. Außerdem arbeiten die Jugendlichen die Inhalte mithilfe der Analyse von Biografien historisch auf und lassen jüdische Zeitzeug*innen so zu Wort kommen. Um den Transfer der Inhalte und der Methoden von analog zu digital zu meistern, haben die freiwilligen Helfer*innen während der Erarbeitung des Konzepts diverse Tools erprobt. „Ohne die Förderinitiative hätten wir einen digitalen Projekttag nicht realisieren können. Wir hätten damit gar nicht begonnen. digital.engagiert war unsere Initialzündung,“ berichtet Doreen.

 

Jugendliche stärker ansprechen

Als nächstes stehen die Zielgruppenansprache und das Bewerben des neuen digitalen Angebots an. Einen Draht zu jungen Erwachsenen haben sie bereits. Viele von ihnen gehen gezielt auf das NDC zu und möchten sich mit Antisemitismus auseinandersetzen. Bei Jugendlichen und Schüler*innen versuchen sie, mehr Gehör zu finden. Helfen soll dabei eine neue Social Media-Strategie. An dieser wurde vor allem während des digital.engagiert-Hackathons gearbeitet. Über Instagram und Facebook versuchen sie die jungen Menschen zielgruppengerecht anzusprechen und Interesse zu wecken. „Der Hackathon war ein riesiges Ding für uns. Bei so einem Event haben wir noch nie teilgenommen, aber es war eine super Erfahrung,“ blickt Doreen zurück. „Die Initiative ist eine tolle Gelegenheit, neue Perspektiven auf das eigene Projekt zu gewinnen. Das Wissen und die Erfahrungen der Coach*innen und der Expert*innen des Stifterverbands, von Amazon und von Amazon Web Services machen einen großen Unterschied.“