Digitales Experimentieren – für eine neue Generation

„Kinder haben ein Recht auf Experimente“, findet Johanna Nothacker von der MPS Bildung und Forschung GmbH. Sie meint damit naturwissenschaftliche Experimente, etwa eine Kartoffelbatterie oder einen programmierbaren Roboter. Um möglichst viele Kinder zu erreichen, arbeitet die promovierte Naturwissenschaftlerin mit Gleichgesinnten gerade an einer digitalen Lernplattform namens Labosium – und wird dabei von digital.engagiert unterstützt. Über die Lernplattform stellt das Projektteam Grundschulkindern Anleitungen für Experimente zur Verfügung. Die Nachwuchsforscher können sie nachmachen und dabei eine Begeisterung für Naturwissenschaften entwickeln – die sie noch lange begleiten soll.

Die MPS sendet Mentorin*innen an Grundschulen, um dort gemeinsam mit Schüler*innen Experimente aus Physik und Chemie durchzuführen. Das kommt bei den Kindern in aller Regel sehr gut an, denn für sie ist es ein besonderes Erlebnis: Aufgrund einer gehörigen Portion Neugier begeistern sich Kinder natürlich schnell für die Experimente. Zudem schlagen die Experimente eine Brücke zum Unterricht, denn sie sprechen die Schüler*innen auf eine den Unterricht sinnvoll ergänzende Weise an. Sie machen den Lehrstoff direkt erfahrbar und helfen vielen Kindern, besser zu lernen – und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit.

Was analog bereits erfolgreich ist, soll digital nun allen Kindern zugutekommen: Mit Hilfe von digital.engagiert baut Labosium seine E-Learning-Plattform aus und macht die vielen spannenden Experimente auch zuhause verfügbar. Unter www.labosium.de bekommen Kinder frei zugängliche, leicht verständliche und gut anwendbare Anleitungen für eigene Experimente. So haben alle Kinder die Möglichkeit, die Welt der Physik und Chemie selbst und auf eine positive Weise zu entdecken.

Das ist nicht nur deshalb wichtig, weil im Schulalltag die Freude an Experimenten manchmal etwas zu kurz kommt. Vor allem entdecken die Kinder in den Experimenten ganz neuen Seiten an sich selbst. Das motiviert sie und gibt ihnen auch für andere Schulfächer Selbstvertrauen. Weitere Motivationsschübe bekommen die jungen User*innen durch Gamification-Elemente: Sie können zum Beispiel Punkte und Auszeichnungen sammeln. Johanna hat dabei eine Hoffnung: Die Kinder sollen eine Faszination für Naturwissenschaften entwickeln, die so groß ist, dass sie sie ihr Leben lang begleitet.

Großes Ziel vor Augen: Medienkompetenz für alle

Mit der Unterstützung von digital.engagiert baut ein Team des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv eine Lernplattform für interessierte Bürger*innen. Da Mediennutzung zentraler Bestandteil der politischen Meinungs- und Willensbildung ist, hat sich die Gruppe ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Die Medienkompetenz von Menschen weiterentwickeln, damit sie Medien reflektiert nutzen können. Um mit diesem Anspruch mitzuhalten, braucht es eine ganz besondere Beziehung zwischen den Verantwortlichen des Projekts und ihrem persönlichen Coach, der ihnen während der Förderphase von digital.engagiert zur Seite gestellt ist. Im Doppelgespräch sprechen David Schraven, Geschäftsführer von Correctiv, und Markus Kreßler, Gründer von Kiron Open Higher Education, über das Projekt und ihre Fortschritte.

 

David, worum geht es bei Eurem Projekt, der Bürgerakademie? Und warum habt Ihr Euch bei digital.engagiert beworben?

David: Die Bürgerakademie ist eine digitale Lernplattform, die journalistisches Wissen und Handwerk vermittelt – und zwar an jeden, der daran interessiert ist. Ihr Ziel ist es, dass Bürger*innen ihre Medienkompetenz so weiterentwickeln und ausbauen, dass sie in der Lage sind, die Arbeit der klassischen und neuen Medien zu reflektieren und zu hinterfragen. Denn für die freie Meinungsbildung in einer demokratischen Gesellschaft ist das unabdingbar. Und weil wir davon überzeugt sind, dass es wichtig und richtig ist, die Bürgerakademie als Lernprojekt für eine große Anzahl an Menschen zu etablieren, haben wir uns bei digital.engagiert beworben.

Die Bürgerakademie hat sich aus der Reporterfabrik heraus entwickelt. Wie kam es dazu, David?

David: Ebenso wie die Bürgerakademie ist es Aufgabe der Reporterfabrik, Medienkompetenz auszubauen, allerdings bei einer anderen Zielgruppe: Journalist*innen und Interessierte, die sich journalistisch betätigen wollen. Im Grunde ist es eine Journalist*innenschule für jeden. Durch unsere ausgefeilten E-Learning-Systeme haben wir jedoch irgendwann gemerkt, dass wir unsere Zielgruppen weiter fassen können und noch mehr Menschen erreichen können. Denn Medienkompetenz sollte nicht nur journalistisch Arbeitenden vorbehalten sein. Daher haben wir das Programm weiterentwickelt: Mit der Bürgerakademie, die sich explizit an alle richtet, können wir wesentlich mehr Menschen erreichen. Dazu arbeiten wir mit Partne*innen zusammen, beispielsweise Volkshochschulen. Wir freuen uns sehr, dass am 7. Oktober 2019 die erste Kooperation der Bürgerakademie startet – gemeinsam mit der Volkshochschule in Reutlingen.

Markus, wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Euch?

Markus: Die Zusammenarbeit ist wirklich sehr entspannt und lösungsorientiert – uns kommt zugute, dass bei Correctiv alle schon über unheimlich viel Erfahrung verfügen und höchst professionell arbeiten. Wir halten uns also nicht strikt an irgendein klassisches Coaching-Curriculum, sondern gehen Themen nach Bedarf und ganz hands-on an. Was sich durch unsere Zusammenarbeit zieht: Vor jedem Treffen nehmen wir uns Themen vor, an denen wir im nächsten Schritt gemeinsam arbeiten wollen. Generell habe ich mit David und seinen Kollegen vor allem an ein paar großen strategischen Weichenstellungen gearbeitet.

David: Das stimmt! Markus hat uns gezeigt, wie wir unser Potential noch weiter ausschöpfen können und in welchen Größenordnungen wir denken können. Es kommt uns sehr zugute, dass Markus bereits Erfahrungen mit Bildungsplattformen hat.

Markus, als Coach gibst du deine Erfahrungen an das Projektteam weiter. Was nimmst du aus der Zusammenarbeit mit?

Markus: Ich konnte sehr viel von David als Unternehmer lernen – denn sie sind auf ihrem Gebiet wirklich Expert*innen. Ich würde es als eine Art Peer-to-Peer-Coaching bezeichnen. Unsere Gespräche haben mich inspiriert und ich habe viele, sehr konkrete Ideen mitgenommen. Eine Überlegung meinerseits wäre zum Beispiel, dass auch andere Bildungseinrichtungen wie Kiron die Kurse von Correctiv in ihr eigenes Curriculum aufnehmen.

David, wo hilft euch die Unterstützung durch digital.engagiert am meisten?

David: digital.engagiert hat uns tatsächlich am meisten in Sachen Vernetzung geholfen. Und zwar vor allem mit Blick auf die Unterstützung durch echte Expert*innen – wie Markus, der uns und unser Projekt versteht. Die Förderinitiative hat gutes Geschick bewiesen, ihn uns als Coach an die Seite zu stellen. Sein Wissen und seine Expertise machen für uns einen wirklichen Unterschied.

Ein Blick in die Zukunft: Wo seht Ihr die Bürgerakademie in 20 Jahren?

David: Ich hoffe, da gibt es die Welt noch (lacht). Ich wünsche mir, dass die Bürgerakademie ein etablierter Player im Bereich Medienkompetenz wird.

Markus: Da kann ich nur anknüpfen. Ich glaube, dass die Bürgerakademie eine strukturändernde Wirkung haben kann – besonders wenn es Veränderungen im öffentlichen Bildungssystem gibt. Mit der Bürgerakademie werden die Menschen selbstständig aktiv und können perspektiv auch Lerngruppen vor Ort mobilisieren. Das ist übrigens auch das, woran wir gerade arbeiten. Wie toll wäre es, wenn die Online-Plattform zum Selbstläufer werden würde?

Mit Racketmind zum olympischen Gold

Smash, Satz und Sieg für olympisches Gold? Durch das Projekt Racketmind soll dies für deutsche Teilnehmer*innen irgendwann Realität werden. Mit der Online-Plattform Racketmind vom Deutschen Badmintonverband (DBV) und dem Badminton-Landesverband Nordrhein-Westfalen sollen Trainer*innen schnell und einfach die Möglichkeit haben, an Expert*innenwissen zu gelangen, um die Badminton-Talente des Landes bestmöglich zu fördern.

Wie in allen zivilgesellschaftlichen Bereichen – das zeigen die zwölf Teilnehmer von digital.engagiert – profitiert auch die sportliche Bildung von der Digitalisierung. Das machen sich auch der Deutsche Badmintonverband und der Badminton-Landesverband Nordrhein-Westfalen zunutze und treiben seit 2017 digitale Sportbildungsprojekte voran. Darunter auch Racketmind. Um bei der Umsetzung noch schneller voranzukommen, haben sich die Verbände bei digital.engagiert beworben – und kommen seit Mai 2019 professionelle Unterstützung.

Racketmind Badminton ermöglicht angehenden Trainer*innen in Vereinen oder auch Lehrer*innen in Schulen, die Anwesenheitszeiten bei Präsenzlehrgängen zu reduzieren und sich noch mehr auf den Sport zu konzentrieren. Zusammen mit digital.engagiert ist das Projekt auf dem bestem Weg, im Blended-Learning-Format einen thematischen Austausch durch Videofeedback und verschiedene Prüfungsformen zu schaffen. Der Anspruch: Wissen und Lehrinhalte über Badminton online immer und überall zugänglich machen. „Zivilgesellschaftliche Organisationen, wie es auch wir Sportverbände sind, spielen eine immer größer werdende Rolle in der deutschen Bildungslandschaft. Wir verstehen es daher als unseren Auftrag, die Bildungsprozesse der im DOSB und seinen  Mitgliedsorganisationen hauptberuflich und ehrenamtlich Engagierten durch den Einsatz digitaler Medien zu verbessern. Projekte wie Racketmind, aber auch alle anderen von digital.engagiert geförderten Ideen, gehen mutig voran und sind für uns sind Leuchttürme dieses digitalen Engagements“, sagt Gudrun Schwind-Gick, Ressortleiterin beim Deutschen Olympischen Sportbund e. V. (DOSB).

Durch digital.engagiert wird die Vision von Racketmind immer mehr Realität. Die Förderinitiative unterstützt das Projekt Racketmind durch ein umfangreiches individuelles Trainingsprogramm und finanziell. Johannes Müller von dem gemeinnützigen Verein CorellAid steht dem Projekt mit seiner Expertise für Datenanalyseverfahren als Coach zur Seite. Und wer weiß, vielleicht kommt dann das nächste olympische Gold in der schnellsten Rückschlagsportart der Welt vielleicht bald aus Deutschland.

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