Jetzt bewerben für die Förderrunde 2021!

digital.engagiert startet in die nächste Runde: Auch im nächsten Jahr fördern wir wieder 12 Projektteams, die die digitalen Fähigkeiten von jungen Menschen stärken wollen. Engagiert Ihr euch mit digitalen Ansätzen für die Gesellschaft? Wir freuen uns auf eure Bewerbung!

Im Fokus der Initiative stehen Ideen und Initiativen von jungen Menschen, die sich mit digitalen Mitteln für die Gesellschaft stark machen. Außerdem können sich Projektteams bewerben, die digitale Angebote für junge Menschen entwickeln. Neben finanzieller Förderung erhalten die ausgewählten Teams ein halbes Jahr lang individuelles Coaching und Zugang zu einem breiten Netzwerk an Fachleuten. Zwischen dem 14. Dezember 2020 und dem 17. Januar 2021 könnt Ihr Eure Bewerbung über die Website von digital.engagiert einreichen. Die Förderung im Rahmen von digital.engagiert geht weit über finanzielle Unterstützung hinaus. Die ausgewählten Teams werden sechs Monate lang individuell von einem Coach*in betreut, erhalten Unterstützung von weiteren Expert*innen in Workshops und Trainings und können sich im großen Netzwerk der Initiative mit anderen Engagierten in Vereinen und Gründer*innen austauschen. Zusätzlich erhält jedes Team insgesamt €10.000 finanzielle Förderung und hat Chancen auf weitere Preisgelder.

Von Vereinen über Bürgerinitiativen bis hin zum Start-up – die Bandbreite der 39 Teams, die bereits an digital.engagiert teilgenommen haben, ist groß. 2019 belegte zum Beispiel der Deutsche Badminton-Verband mit Racketmind den ersten Platz – für eine neue Plattform zur Aus- und Weiterbildung von Trainer*innen. Das Team von KlimaKarl aus Bremen war im Jahr zuvor erfolgreich: Mit einem Chatbot bringen sie den Klimaschutz in die Büros von Unternehmen.

Seid dabei und stellt uns Eure Idee vor! Ihr seid nicht sicher, ob Euer Projekt in Frage kommt? Wir beantworten Eure Fragen gerne persönlich unter digital.engagiert@stifterverband.de.

Held*innen gegen Fake News und Cybermobbing

Viele Kinder und Jugendliche sind jeden Tag mit Hasskommentaren und anderen Herausforderungen im Internet konfrontiert. Zwar ist die Nutzung von Smartphone und sozialen Plattformen heute Alltag, doch ein verantwortungsvoller Umgang damit noch selten geübt. Das will die Organisation Digitale Helden ändern. Sie bildet junge Mentor*innen wie Lea Schäfer aus Hessen zu Digitalen Held*innen aus und steht auch Lehrkräften und Eltern unterstützend zur Seite.

Für Jugendliche sind Beleidigungen und Cybermobbing in sozialen Medien oder Klassenchats eine häufige Herausforderung. „Alle haben ein Smartphone, aber viele wissen nicht, wie sie mit solchen Situationen richtig umgehen. Dafür sind wir Digitale Held*innen da“, sagt Lea. Sie besucht seit drei Jahren regelmäßig Klassen und Elternabende an ihrer Schule in Hessen, um über den richtigen Umgang mit sozialen Medien aufzuklären und für mehr digitale Zivilcourage zu werben. Gelernt hat sie das mithilfe der Organisation Digitale Helden. Das Konzept funktioniert so: Engagierte Jugendliche der Klassen 8 bis 10 durchlaufen ein Mentoringprogramm mit Online-Kursen und Gruppen-Treffen, begleitet durch eine Lehrkraft. Sie lernen, wie sich Mobbing in sozialen Netzwerken verhindern lässt, wie sie fragwürdige Quellen erkennen können und was es mit dem Schutz persönlicher Daten und des Urheberrechts auf sich hat. Anschließend geben sie ihr Wissen an Schüler*innen der jüngeren Jahrgangsstufen weiter. Schon 166 Schulen in Deutschland arbeiten mit den Digitalen Helden zusammen.


Lea Schäfer aus Hessen ist seit 2017 als Digitale Heldin an ihrer Schule aktiv, Foto: Lea Schäfer

Das Angebot der Digitalen Helden deckt einen Bedarf, mit dem sich viele Pädagog*innen derzeit überfordert sehen. „Lehrkräfte haben oft das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Sie nutzen selten soziale Netzwerke und haben keinen Zugang zu digitalen Sub- und Jugendkulturen“, sagt Alia Pagin. Sie ist Projektleiterin bei den Digitalen Helden und hat in einer Umfrage 70 Lehrkräfte zu Problemen wie Cybermobbing und Hasskommentare befragt. Dabei hat sie herausgefunden, dass Lehrkräfte zwar über viele Missstände Bescheid wissen, aber ihre eigenen Möglichkeiten unterschätzen, mit vorbeugenden Maßnahmen einzugreifen. Die Digitalen Helden bieten deshalb neben dem Ausbildungsprogramm für junge Mentor*innen auch Online-Kurse an, die sich gezielt an Lehrkräfte und Eltern richten. In den Webinaren lernen die Teilnehmer*innen, wie sie Medienkompetenzen mit Kindern und Jugendlichen trainieren können, und erhalten dazu passende Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter.

Um diesen Teil ihrer Arbeit weiter auszubauen und bekannter zu machen, hat das Team von Digitale Helden eine Idee: die Digitale Helden Akademie. Als Wissensplattform rund um den kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien soll die Online-Akademie zentrale Anlaufstelle für Lehrkräfte und interessierte Eltern sein. digital.engagiert unterstützt die Digitalen Helden beim Aufbau der Online-Akademie mit finanzieller Hilfe, Coaching und Zugang zu einem breiten Netzwerk an Fachleuten aus Tech und Bildung. Claudia Winkler, Mitgründerin von goood e.V., steht dem Team als Coachin zur Seite. „Claudia hat uns in Videokonferenzen hilfreiche Tipps und Strategien für die Entwicklung unserer Online-Angebote mit an die Hand gegeben. Wir bleiben bestimmt auch über die Förderung hinaus im Austausch“, sagt Florian Borns, geschäftsführender Gesellschafter bei Digitale Helden.


Lehrkräfte begleiten die Ausbildung der jungen Mentor*innen mit Online-Kursen und Arbeitsgemeinschaften, Foto: Digitale Helden_Holger Menzel

Zum Start bietet die Akademie drei Kurse: „Mit Respekt im Klassenchat“ bietet eine Unterrichtsgrundlage, um mit Schüler*innen gemeinsam Regeln für die Kommunikation im Chat aufzustellen. Der Kurs „Recherchekompetenzen für Demokratie“ bereitet Lehrkräfte darauf vor, ihre Klassen für Falschinformationen im Netz zu sensibilisieren. Ganz neu im Programm ist der Kurs „Gemeinsam gegen Hass im Netz“: Hier lernen Lehrkräfte, wie sie Hetze und extremistische Äußerungen im Umfeld ihrer Schule wahrnehmen und dies in den Stufen 8 bis 11 in Unterrichtseinheiten zum Thema machen können. Der Kurs sowie die begleitenden Unterrichtsmaterialien sind kostenfrei auf der Digitale Helden Website abrufbar. Florian Borns erklärt: „Für eine positive Kommunikation und Kultur im Netz sind wir alle verantwortlich – unsere Kurse helfen dabei, diese Botschaft den Jugendlichen zu vermitteln.“

Mit dem Smartphone ins Beet – Das Projekt Garten-Real-Digital

Fehlender Nachwuchs und die Folgen des Klimawandels – vor diesen Herausforderungen stehen viele Gartenbauvereine. Der Verein Thaleischweiler-Fröschen 1890 e.V. aus der Pfalz hat sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht: Über die Digitalisierung wollen sie wieder mehr Jugendliche für die Gartenarbeit gewinnen und klimaresistente Gärten schaffen. Mit ihrem Projekt Garten-Real-Digital sind sie Teil der aktuellen Förderrunde von digital.engagiert.

Vor fünf Jahren übernahm Martin Klausmann den Vorstandsposten des Obst- und Gartenbauvereins Thaleischweiler-Fröschen 1890 e.V. Er fand einen Verein vor, der etwas in die Jahre gekommen war: „Das Durchschnittsalter lag bei etwa 70 Jahren“, sagt Martin. Junge Menschen für die Vereinsarbeit zu gewinnen, wurde Ziel und Herausforderung – wie für viele kleine Vereine auf dem Land. Doch das ist nicht die einzige Aufgabe, die Martin und seine Vereinskameradinnen und -kameraden bewältigen müssen: „In Zukunft werden wir durch den Klimawandel nicht mehr so gärtnern können, wie wir es bisher gekannt haben. Auch dafür müssen wir uns nachhaltige Konzepte überlegen“, erklärt er. Seine Idee: Mit digitalen Projekten Kinder und Jugendliche für den Gartenbau gewinnen und gleichzeitig Gärten resistent gegen den Klimawandel machen. Der Name für dieses Vorhaben war schnell gefunden: Garten-Real-Digital!

Mit Hilfe von Gartenarbeit Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit anschaulich vermitteln – Garten-Real-Digital will genau das: Gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Ort installiert Martin zum Beispiel Sensoren, die Feuchte und Temperatur im Boden und die Sonneneinstrahlung messen. Diese Daten werden an eine App gesendet, mit deren Hilfe die jungen Gärtnerinnen und Gärtner eine digitale Bewässerungsstation bedienen – direkt aus dem „Garten-IT-Haus“. Welche Pflanzen kommen mit weniger Wasser oder höheren Temperaturen besser zurecht? Müssen einige Blumen zukünftig an schattigeren Orten gepflanzt werden? Antworten auf diese Fragen lassen sich direkt aus den Daten ablesen. Auch Gruppen aus dem örtlichen Kindergarten sind regelmäßig zu Gast im Gartenbauverein. Von der Aussaat bis zur Ernte – der Vereinsnachwuchs ist immer dabei und lernt die Tricks und Kniffe der gestandenen Mitglieder.

In Zukunft soll Thaleischweiler-Fröschen Vorbild für Gartenbauvereine in ganz Deutschland werden, denn im Kampf gegen den Klimawandel ist Nachahmung erwünscht: „Die Daten aus unserem Garten wollen wir auf einer Web-Plattform sammeln und öffentlich zugänglich machen. Ganz besonders wollen wir andere Vereine ansprechen, die so eine Möglichkeit erhalten, Jugendliche über die Digitalisierung für das Thema Garten zu interessieren“, erklärt Martin.

Bei der Umsetzung der Plattform erhalten Martin und sein Verein Unterstützung von digital.engagiert. Besonders wichtig dabei ist das individuelle Coaching der Projektteams. Louise Buscham von der Stiftung Bürgermut steht dem Garten-Real-Digital-Team mit all ihrer Erfahrung im Projektmanagement zur Seite. „Konsequent und mit viel Humor hat Louise uns geholfen, unserem Ziel in klar definierten Schritten unaufhörlich näher zu kommen“, erzählt Martin. Hinzu kommen finanzielle Förderung sowie der Austausch mit anderen zivilgesellschaftlichen Projekten in einem großen Netzwerk. Die vielschichtige Unterstützung hilft den Vereinsmitgliedern dabei, ihre Idee zum Erfolg zu machen. Und so gibt es hoffentlich bald in vielen weiteren Obst- und Gartenbauvereinen begeisterten Nachwuchs, der den Garten fit für die Zukunft machen will.

Martin war auch vor Kurzem im Podcast Digitale Provinz zu Gast und hat über das Projekt berichtet. Hört doch mal rein!