naklar.io: Kostenlose Nachhilfe per Knopfdruck

Dreisatz, Zeichensetzung, Zellteilung – wer erklärt das, wenn die Eltern arbeiten, der Unterricht ausfällt und die beste Freundin auch nicht weiter weiß? In vielen Fällen bleiben die Fragen unbeantwortet, die Kinder sind frustriert und die Lernbereitschaft sinkt. Der Förderbedarf steigt – insbesondere bei Schüler*innen aus benachteiligten Haushalten. Sie verlieren den Anschluss. Für mehr Chancengerechtigkeit sorgt die Nachhilfe-Plattform naklar.io. Sie bietet Schüler*innen einen einfachen Zugang zu kostenloser Nachhilfe.

naklar.io ist eins von zwölf Teams, die in diesem Jahr bei digital.engagiert dabei sind.

 

Brücke zwischen Schüler*innen und Tutor*innen

Ob Lieblingsfach in der Schule, Studium oder persönliche Interessen – wir alle wissen eine ganze Menge. Dieses Wissen vom eigenen Sofa aus mit Schüler*innen zu teilen, ermöglicht die naklar.io-Plattform. Brauchen Lernende Hilfe, vernetzt die Plattform sie einfach, schnell, kostenlos und auf Knopfdruck mit geprüften ehrenamtlichen Tutor*innen. Das automatisierte Matching berücksichtigt dabei Schulfach, Bundesland und Klassenstufe. Ist ein*e Tutor*in gefunden, werden beide in ein Big Blue Button-Meeting weitergeleitet und die Lernsession kann beginnen – ganz ohne den Austausch von Handynummern, E-Mail-Adressen, Einwahldaten oder Downloads.

„Am Anfang haben wir das Projekt eher aus Spaß gemacht, aber dann haben wir gemerkt, dass sich die Leute wirklich dafür interessieren,“ berichtet der BWL-Student Sebastian Scott, der mit seiner Idee für die Plattform zu Beginn der Corona-Pandemie auf seinen langjährigen Schulfreund Korbinian Stein zuging und in ihm einen Unterstützer fand. Nicht nur er sieht Potenzial in der Anwendung: Nur wenige Tage nach erstmaliger Präsentation der Idee auf dem bundesweiten #WirvsVirus-Hackathon erreichte das naklar.io-Team eine Vielzahl an Rückmeldungen von Ehrenamtlichen.

„Jede*r kann Tutor*in sein und helfen, Studierende, Lehrer*innen, einfach alle, die sich ehrenamtlich engagieren und Schüler*innen unterstützen möchten. Und das ist gerade das Tolle! In vielen Bereichen geht es vor allem darum, dass jemand da ist, der helfen kann – selbst wenn der- oder diejenige kein Spezialist in dem Fach ist,“ erklärt Korbinian, der die Plattformentwicklung als IT-Experte vorantreibt. Ein weiterer Pluspunkt: Ehrenamtliche können flexibel und ungebunden helfen. „Ich habe früher selbst viel Nachhilfe gegeben, irgendwann fehlte mir allerdings die Zeit. Das Spannende an naklar.io ist, dass wir einen Kanal gefunden haben, über den sich die Zeit von Nachhilfelehrer*innen exponentiell vervielfachen lässt,“ ergänzt Sebastian. Über 8.000 Schüler*innen und Tutor*innen nutzen die Plattform bereits aktiv.

 

Viel los bei naklar.io

Im Fokus des Teams aus dem Münchner und Augsburger Umland steht aktuell die Weiterentwicklung der Nutzer*innenoberfläche und der Kernfunktionen der Plattform. Besonders wichtig ist dem jungen Team, dass ihre Plattform an Persönlichkeit gewinnt. Daher tüfteln die Entwickler an einer Funktion, die es ermöglicht, sich erneut mit Helfer*innen zu verknüpfen und bei Bedarf einen festen Tutor*innen-Kreis aufzubauen. Außerdem soll das Angebot um eine App ergänzt werden. Dieses Projekt nahm das Team während des digital.engagiert Hackathons in Angriff. „Die App-Idee gibt es schon lange. Der digital.engagiert-Spirit und die vielen neuen Perspektiven haben uns dazu motiviert, in die Umsetzung zu gehen.“ schildert Korbinian. „Vor dem Hackathon glich die App einem Berg, den wir als kleines Team nicht erklimmen können. Mittlerweile ist sie in erreichbarer Nähe.“

Neben der Plattform arbeitet naklar.io seit Anfang des Jahres mit lokalen Bildungsträgern und Ministerien zusammen. Das Team befähigt diese zum Einsatz der Nachhilfe-Software als lokale Anlaufstelle für digitales Tutoring. So wurde beispielsweise die Emden-Plattform ins Leben gerufen: eine Nachhilfe-Plattform nur für Schüler*innen und Ehrenamtliche aus Emden, die auf der naklar.io-Software basiert.

Die Herausforderung liegt in der richtigen Balance zwischen der Anzahl der Hilfesuchenden und der Anzahl der Helfenden. Insbesondere die Nachhilfesuchenden gilt es, gezielt mit Kommunikationsmaßnahmen anzusprechen und für die Nutzung zu begeistern. Da Medien wie TikTok hierbei gut funktionieren, hat das Team die Zeit während des Lockdowns dafür genutzt, zahlreiche Videos zu produzieren – auf einfache und coole Art und Weise: „Wir haben versucht, das Ganze so zugänglich wie möglich zu machen und haben dadurch sehr viele Schüler*innen erreicht. Dabei ist es uns wichtig, intrinsische Motivation zu wecken. Schulkinder sollen die Plattform von sich aus nutzen, nicht weil es Eltern oder Lehrer*innen vorgeben,“ erzählt Sebastian.

 

Motiviert? naklar.io

Nutzer*innen, Helfer*innen, aber auch Bildungseinrichtungen und Ministerien sind begeistert. Das bestärkt das Team in seiner Arbeit. Gewürdigt wurden die Anstrengungen des Teams auch bei dem #wirfürschule-Hackathon – hier durfte es sich am Ende Gewinner nennen. Der Sieg hat naklar.io die Tür zu vielen Projekten mit Ministerien geöffnet und zu viel Reichweite in der Bildungslandschaft verholfen. Die Hackathon-Erfolge, aber auch einzelne persönliche Geschichten sprechen für sich: So hat beispielsweise ein Schüler dank naklar.io eine wichtige Aufnahmeprüfung bestanden. „Was man zurückbekommt, ist toll. Dadurch, dass wir viele inspirierende Erfolgsgeschichten erleben durften, fällt es leicht, Zeit in die Weiterentwicklung der naklar.io-Plattform zu investieren,“ sagt Korbinian und freut sich auf die zweite Hälfte des digital.engagiert-Förderzeitraums.

Nur Mut: Mach dein Ding!

Abschluss in der Tasche, aber keinen Zukunftsplan vor Augen. Nicht wenigen Schüler*innen geht es nach ihrem Schulabschluss so. Viele Jugendliche sind bei ihrer Zukunftsplanung hilflos und im Nachhinein oftmals unzufrieden mit ihren getroffenen Entscheidungen. Die Suche nach den persönlichen Interessen und das Hadern mit dem eigenen Können mündet meist in dem Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein. Neben Angst und Unsicherheit macht sich Frustration breit. Gleichzeitig steigt der Druck, denn eine große Frage steht kontinuierlich im Raum: Welchen Weg schlägst du ein?

Mein Mutiger Weg‘ hilft jungen Menschen dabei, Antworten auf diese Frage zu finden.

 

Mutige Sprünge statt Umwege

Die erste Sinnkrise erleben viele schon direkt nach der Schulzeit: Sie stecken in der Quarter Life Crisis. Aber warum ist das so? Für das Karlsruher Start-up und digital.engagiert-Team ‚Mein Mutiger Weg‘ ist das offensichtlich: Jugendliche sind nicht ausreichend auf die Zukunftsplanung vorbereitet. Es fehlt Wissen, aber noch viel wichtiger: Es fehlen der Mut, die Schritte nach der Schule eigenständig anzugehen, und das Verständnis von Anderen für mutige Entscheidungen. Auf die Bedürfnisse von Schüler*innen einzugehen, das hat sich ‚Mein Mutiger Weg‘ zur Aufgabe gemacht. „Es geht vielen jungen Menschen gleich. Die Zeit nach der Schule ist häufig von Umwegen, Frustration und vom Unglücklichsein geprägt. Wir wollen aus unseren eigenen Geschichten etwas zurückgeben und dazu beitragen, dass junge Menschen das Thema besser und früher planen“, erklärt Frederic Keller, der das Unternehmen 2018 gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Pascal und seinem Freund Alwin Pianka gegründet hat. Seine eigenen Erfahrungen haben ihm gezeigt, dass der Handlungsbedarf in der Berufsorientierung für junge Menschen groß ist: „Was ich gemacht habe, war nie mein mutiger Weg, sondern irgendein Weg.“

Die Vision des Teams ist es, Schüler*innen auf die großen Fragen und Entscheidungen auf dem Weg in die Zukunft vorzubereiten und dazu zu ermutigen, die für sie richtige Reise zu wählen. Dazu wird ihnen Raum zur Auseinandersetzung mit den verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten, vor allem aber auch mit der eigenen Person gegeben. „Wenn man Zeit investiert und darüber nachdenkt, was zur eigenen Persönlichkeit passt, kann man seine eigene mutige Entscheidung für die Zukunft treffen,“ erzählt Linda Klotzbach, Designerin im Produktentwicklungsteam.

 

Informiert und selbstbewusst

‚Mein Mutiger Weg‘ bietet Seminare an Schulen, die digitale Plattform “Traumjob Campus” und ein kombiniertes Begleitprogramm an. In den Seminaren teilen die Mutmacher*innen ihre persönlichen Werdegänge mit den Schüler*innen. Fehltritte, Unsicherheiten und Geschichten vom Scheitern werden dabei nicht ausgelassen. „Jede*r von uns hat eine Geschichte und jede*r verbindet damit eine Emotion. Genau dort setzen wir an“, berichtet Linda. Offenheit, Authentizität und Austausch auf Augenhöhe in der Sprache der Jugendlichen berühren, inspirieren und machen Inhalte greifbar. Anstelle eines Handschlags sprechen die Mutmacher*innen die Jugendlichen persönlich an und schaffen einen Rahmen, in dem Schüler*innen losgelöst von Schulstress und Notendruck entspannt an ihrer Zukunft arbeiten können. In der Arbeitsphase werden Übungen zur Aktivierung, zur Identifikation der eigenen Stärken und zum Reflektieren durchgeführt. „Wir wollen die richtigen Fragen stellen, die die Jugendlichen für sich beantworten und so ihre Zukunft mutig zu planen,“ ergänzt Frederic. Dabei steht das Gemeinschaftsgefühl bewusst im Vordergrund, denn die jungen Menschen sollen wissen, dass sie mit ihren Fragen und Problemen nicht allein sind.

Eine digitale Lösung musste her, als die Corona-Pandemie ausbrach und Präsenz-Veranstaltungen ausfielen. Die virtuelle Austausch- und Inspirationsplattform “Traumjob Campus” wurde ins Leben gerufen. Sie bietet Jugendlichen eine Möglichkeit auf alles, was sie zum Thema Berufsorientierung wissen müssen, von Zuhause zuzugreifen. Von Übungen zur Persönlichkeitsentwicklung über Lernvideos und Arbeitsblätter bis zum Live-Berufs-Coaching und Mentor*innen-Matching. Um eine nachhaltigere Wirkung bei den Schüler*innen zu erzeugen, soll die Plattform zukünftig Präsenzveranstaltungen ergänzen. Insgesamt arbeiten die Mutmacher*innen aktuell mit knapp 100 Schulen zusammen und haben mit Seminar und Traumjob Campus bereits 11.000 jungen Menschen Mut für die Zukunft gemacht – die durchweg positive Resonanz hat ihre Erwartungen bei Weitem übertroffen.

 

Erlebnis in den virtuellen Raum tragen

Im Rahmen von digital.engagiert arbeitet das Team verstärkt an der Weiterentwicklung des virtuellen “Traumjob Campus”. Mit einem zielgruppengerechten Design,  einer neuen inhaltlichen Ebene und weiteren Edutainment- und Gamification-Elementen wie Avataren und Benefit-Programmen soll der Online-Campus zukünftig noch praxisnäher und zukunftsweisender werden. Die größte Herausforderung ist dabei die Übertragung des Erlebnisfaktors, der Emotion und der Motivation ins Digitale.

„Durch die Impulse, die digital.engagiert uns geliefert hat, denken wir den Campus ganz neu. Die Bedürfnisse der Nutzer*innen mithilfe von Working Backwards noch einmal zu durchdenken, hat uns viel Klarheit verschafft,“ berichtet Frederic nach der ersten Hälfte des Förderzeitraums. Künftig feilt das Team weiter an dem Design der digitalen Plattform und dem Konzept für das Begleitprogramm: Wie wird der Campus abseits von schulischen Pflichtveranstaltungen für Schüler*innen attraktiv? Wie ergänzen sich Seminar und Austauschplattform am besten?

Eine Vielzahl an Meilensteinen hat ‚Mein Mutiger Weg‘ bereits erreicht: Insbesondere die Zertifizierung als Bildungsträger und der Bezug des ersten Büros in Karlsruhe waren große Fortschritte. „Für mich ist jedes neue Feature ein Meilenstein. Weil darin einfach sehr viel Herzblut steckt,“ ergänzt Linda und macht damit klar, dass in Zukunft mit vielen weiteren Meilensteinen zu rechnen ist.