Hacker School: Hack the world a better place

Wenn es um Quellcodes, Operatoren oder Debugger geht, verstehen viele nur Bahnhof – selbst Kinder und Jugendliche, die mit Computern, Internet und Smartphones groß geworden sind. Von den Arbeitnehmer*innen von Morgen wird jedoch erwartet, dass sie dieses Wissen bereits in jungen Jahren erwerben und anwenden können. Je früher junge Menschen mit IT in Berührung kommen, desto besser sind sie auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet. Was hilft besser dabei, in die Welt des Programmierens einzutauchen, als es selbst auszuprobieren?

Dabei unterstützt die Hacker School. Das digital.engagiert-Team bietet Coding-Kurse an, um junge Menschen ohne IT-Vorkenntnisse für das Programmieren zu begeistern.

 

Kinder und Jugendliche betreten Neuland – für ihre Zukunft

Viele Kinder und Jugendliche glauben, dass sie kein Talent für das Thema IT mitbringen. Wenn überhaupt, gewinnen sie erst spät im Rahmen ihrer Schulausbildung Einblicke in die Informatik und wissen deshalb kaum, wie die digitale Welt funktioniert. Denn: In vielen Bundesländern ist Informatik kein Pflichtschulfach. Um Jugendliche früh für IT zu begeistern und ihnen die Möglichkeit zu geben, die Digitalisierung zu entdecken, zu verstehen und selbst zu gestalten, wurde 2014 die Hacker School gegründet. „Ziel ist es, dass jedes Kind in Deutschland – unabhängig von Geschlecht und Herkunft – wenigstens einmal programmiert haben soll“, erklärt Julia Freudenberg, Leiterin der Hacker School in Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Team ermöglicht sie Programmierkurse für junge Menschen – online und vor Ort in Schulen. Damit erleichtert das Team Kindern und Jugendlichen den Zugang zu IT, gibt ihnen Einblicke in die vielfältigen Facetten des Programmierens und bestärkt sie durch praktische Erfahrungen darin, an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Ermöglicht werden die Kurse durch das ehrenamtliche Engagement von Unternehmen aus der IT-Branche und ihren Mitarbeiter*innen.

 

Coding erleben, Begeisterung wecken

Junge Menschen zwischen elf und 18 Jahren können in den Kursen an Wochenenden kleine Coding-Projekte online oder vor Ort in Unternehmen mit den dortigen IT-Spezialist*innen erarbeiten und IT-Berufe kennenlernen. Im März 2020 hat das Team sein Angebot vollständig digitalisiert. Durch Hacker School@home haben mehr als 2.000 Teilnehmer*innen an über 250 Online-Kursen und Sonderprogrammen wie der GIRLS Hacker School teilgenommen. Das Programm gibt Mädchen und Frauen jeden Alters einmal im Monat die Gelegenheit, ihrer Kreativität in einem geschützten Raum freien Lauf zu lassen und zu beweisen, dass in ihnen mindestens genauso viel IT-Knowhow steckt wie in Jungs und Männern. Eine weitere Säule ist das Projekt Hacker School @yourschool. Hier geben IT-Studierende und Auszubildende ihr Wissen ehrenamtlich an Schulklassen weiter. „Wir nennen sie ‚Inspirer‘, denn sie inspirieren die Kids dazu, neue Erfahrungen zu machen und Möglichkeiten zu entdecken“, berichtet Julia. Sie programmieren gemeinsam mit Schüler*innen im Unterricht und stellen IT-Berufe vor.

 

Lernen durch das Lehrkonzept und aktuelle Inhalte

In den Kursen lernen die Jugendlichen Programmier-Basics und bisher unbekannte Codes auf spielerische Art kennen – in der Theorie wie in der Praxis. Außerdem wird ihnen das algorithmische Denken nahegelegt: Solange man etwas lernt, sind Fehler okay und ebenso wichtig wie Erfolge. Nicht alle Kinder werden dadurch zu Informatiker*innen, sie lernen jedoch mit Herausforderungen umzugehen und entdecken das in ihnen schlummernde Potenzial, auf das sie weiter aufbauen können. Die Themenschwerpunkte der Kurse richten sich nach aktuellen Trends und den Wünschen der Teilnehmer*innen. Ob einfache Programmiersprache, künstliche Intelligenz, Spielprogrammierung oder Klimaschutz – die Hacker School IT-Profis haben für eine Vielzahl an Themen altersgerechte Konzepte entwickelt.

 

digital.engagiert: Weiterentwicklung Hacker School @yourschool

„Durch die Unterstützung von Amazon, Amazon Web Services, Stifterverband und den Coaches haben wir wichtige Anregungen für unser weiteres Vorgehen erhalten, viele Kontakte knüpfen können und große Fortschritte gemacht“, blickt Julia auf den digital.engagiert-Förderzeitraum zurück. Im Rahmen der Initiative hat das Team vor allem an dem Projekt Hacker School @yourschool gearbeitet. Damit einher ging die Neustrukturierung des Teams und die Etablierung des Schulprojekts als gleichwertige Säule innerhalb des Gesamtangebots. Am Ende haben sich die Mühen gelohnt:  Das Team belegte den dritten Platz beim digital.engagiert-Hackathon und ist startsocial-Preisträger. Beste Voraussetzungen für weitere Entwicklungen und Erfolge!

 

Pflege durch digitale Bildung stärken: Die Novaheal-Lern-App

In Deutschland gibt es nicht genügend Fachkräfte in der Pflege.  Nicht zuletzt der rasante Anstieg der Anzahl stationärer Patient:innen und Pflegebedürftigen infolge  der Corona-Pandemie haben das deutlich gemacht. Hinzu kommt: Der demografische Wandel wird den Fachkräftemangel zuspitzen. Wie aber soll dieses Problem behoben werden, wenn immer mehr junge Menschen die Pflegeausbildung abbrechen? Schwer greifbare Inhalte, zu wenig Begleitung in der Praxis, dafür aber ein hohes Maß an Frustration – das ist die Situation, in der sich viele Pflege-Azubis befinden. Eine Lösung für sie bietet Novaheal mit seiner Lernplattform.

Unterstützt wurde das Start-up bei der Weiterentwicklung seiner Lern-App für angehende Pfleger:innen von der Förderinitiative digital.engagiert von Amazon und dem Stifterverband.

 

Auf Demotivation folgt Abbruch

„Die Abbruchquote in der Pflegeausbildung liegt im bundesweiten Durchschnitt ungefähr bei 30 Prozent“, sagt Valentin Johannsen, einer der drei Gründer des Bochumer Start-ups Novaheal.  „Für die Zukunft der Pflege bedeutet das: Der akute Fachkräftemangel wird sich verschärfen. Und woran liegt das? Unter anderem an der Art und Weise, wie die Ausbildung konzipiert ist.“Valentin ist – ebenso wie der Mitgründer Samuel Bongartz – examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger mit Berufserfahrung in der Intensiv- und Anästhesiepflege. Komplettiert wird das Gründer-Trio durch den Betriebswirtschaftler Turan Tahmas, der den Pflegeberuf im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) kennenlernte.

Alle drei kennen das Problem aus eigener Erfahrung: Die Pflegeausbildung und die Versorgung mit relevanten Informationen im Berufsalltag sind an vielen Stellen alles andere als zeitgemäß. Auszubildende werden in der Praxis häufig mit Pflegesituationen konfrontiert, denen sie in frühen Stadien ihrer Ausbildung nicht gewachsen sind. Hauptursachen sind zu kurze Anleitungszeiten oder Personalmangel. Viele beginnen auf eigene Faust zu recherchieren – meist online. Doch wer sichert die Qualität der Web-Inhalte, auf die zurückgegriffen wird? Leicht gerät falsches Wissen in Umlauf und im schlimmsten Falle kommt es zu groben Fehlern in der Patient:innenversorgung.

 

Digital, mobil, praxisnah

Die Novaheal-Lern-App bündelt das Wissen der gesamten generalistischen Pflegeausbildung. Einerseits ist die App ein digitales Nachschlagewerk: Feststehende Lerninhalte und aktuelles Wissen sind kompakt aufbereitet, einfach erklärt und können schnell abgerufen werden auch im Arbeitsalltag. Pflegespezifische News zeigen den Auszubildenden zudem, wie und wo sie sich berufspolitisch engagieren und ihren Berufsalltag mitgestalten können. Die Qualität der Lerninhalte sichert ein Team aus Lehrkräften unterschiedlicher Kliniken. Außerdem reichert das Novaheal-Team das Lernmaterial in Zusammenarbeit mit den Expert:innen mit konkreten Praxisbezügen an. Mit Fallgeschichten zu Pflegesituationen, interaktiven Lehrvideos, Quizzen und verschiedenen Abfrageformaten wie Multiple-Choice, Bild-zu-Text-Fragen oder Lernkarten lernen die Azubis spielerisch, worauf es im Berufsalltag ankommt. Vervollständigt wird der Gamification-Ansatz mit der Möglichkeit, gegeneinander in Quizduells anzutreten – eine Motivationsspritze für jede:n Nutzer:in. „Die Realisierung des Projekts ist uns eine Herzensangelegenheit, denn wir glauben, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung und der Zugang zu Bildung eine ganz zentrale Rolle für eine funktionierende Gesellschaft spielen. Die Verbesserung des Gesundheitssystems muss bereits in der Ausbildung von Pflegekräften beginnen. Durch unser digitales Angebot können sich Azubis flexibel, einfach und multidimensional Wissen aneignen und so Sicherheit für ihre Arbeit und Klausuren gewinnen,“ so Samuel.

 

digital.engagiert: Netzwerken, austauschen, weiterentwickeln

„Der Kontakt mit Menschen, die beim Aufbau ihres Start-ups mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, und der Austausch mit den Expert:innen von Amazon, Amazon Web Services und Stifterverband hat uns dabei geholfen, wichtige Meilensteine zu erreichen,“ berichtet Turan. Das Novaheal-Team wurde größer, die Idee und das Angebot sind mittlerweile durch repräsentative Umfrageergebnisse gestützt und die App ist technisch einsatzbereit. Ein ganz besonderer Meilenstein: die Förderung durch das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Fest steht: Die Zukunft hält für das Team einiges bereit – das verrät nicht nur die Vielzahl an Kooperationen und Partnern, mit denen das Start-up bereits zusammenarbeitet. Auch die Ausweitung der Lernplattform auf weitere Gesundheitsberufe oder die Laienpflege ist denkbar. Es bleibt spannend!