Held*innen gegen Fake News und Cybermobbing

Viele Kinder und Jugendliche sind jeden Tag mit Hasskommentaren und anderen Herausforderungen im Internet konfrontiert. Zwar ist die Nutzung von Smartphone und sozialen Plattformen heute Alltag, doch ein verantwortungsvoller Umgang damit noch selten geübt. Das will die Organisation Digitale Helden ändern. Sie bildet junge Mentor*innen wie Lea Schäfer aus Hessen zu Digitalen Held*innen aus und steht auch Lehrkräften und Eltern unterstützend zur Seite.

Für Jugendliche sind Beleidigungen und Cybermobbing in sozialen Medien oder Klassenchats eine häufige Herausforderung. „Alle haben ein Smartphone, aber viele wissen nicht, wie sie mit solchen Situationen richtig umgehen. Dafür sind wir Digitale Held*innen da“, sagt Lea. Sie besucht seit drei Jahren regelmäßig Klassen und Elternabende an ihrer Schule in Hessen, um über den richtigen Umgang mit sozialen Medien aufzuklären und für mehr digitale Zivilcourage zu werben. Gelernt hat sie das mithilfe der Organisation Digitale Helden. Das Konzept funktioniert so: Engagierte Jugendliche der Klassen 8 bis 10 durchlaufen ein Mentoringprogramm mit Online-Kursen und Gruppen-Treffen, begleitet durch eine Lehrkraft. Sie lernen, wie sich Mobbing in sozialen Netzwerken verhindern lässt, wie sie fragwürdige Quellen erkennen können und was es mit dem Schutz persönlicher Daten und des Urheberrechts auf sich hat. Anschließend geben sie ihr Wissen an Schüler*innen der jüngeren Jahrgangsstufen weiter. Schon 166 Schulen in Deutschland arbeiten mit den Digitalen Helden zusammen.


Lea Schäfer aus Hessen ist seit 2017 als Digitale Heldin an ihrer Schule aktiv, Foto: Lea Schäfer

Das Angebot der Digitalen Helden deckt einen Bedarf, mit dem sich viele Pädagog*innen derzeit überfordert sehen. „Lehrkräfte haben oft das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Sie nutzen selten soziale Netzwerke und haben keinen Zugang zu digitalen Sub- und Jugendkulturen“, sagt Alia Pagin. Sie ist Projektleiterin bei den Digitalen Helden und hat in einer Umfrage 70 Lehrkräfte zu Problemen wie Cybermobbing und Hasskommentare befragt. Dabei hat sie herausgefunden, dass Lehrkräfte zwar über viele Missstände Bescheid wissen, aber ihre eigenen Möglichkeiten unterschätzen, mit vorbeugenden Maßnahmen einzugreifen. Die Digitalen Helden bieten deshalb neben dem Ausbildungsprogramm für junge Mentor*innen auch Online-Kurse an, die sich gezielt an Lehrkräfte und Eltern richten. In den Webinaren lernen die Teilnehmer*innen, wie sie Medienkompetenzen mit Kindern und Jugendlichen trainieren können, und erhalten dazu passende Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter.

Um diesen Teil ihrer Arbeit weiter auszubauen und bekannter zu machen, hat das Team von Digitale Helden eine Idee: die Digitale Helden Akademie. Als Wissensplattform rund um den kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien soll die Online-Akademie zentrale Anlaufstelle für Lehrkräfte und interessierte Eltern sein. digital.engagiert unterstützt die Digitalen Helden beim Aufbau der Online-Akademie mit finanzieller Hilfe, Coaching und Zugang zu einem breiten Netzwerk an Fachleuten aus Tech und Bildung. Claudia Winkler, Mitgründerin von goood e.V., steht dem Team als Coachin zur Seite. „Claudia hat uns in Videokonferenzen hilfreiche Tipps und Strategien für die Entwicklung unserer Online-Angebote mit an die Hand gegeben. Wir bleiben bestimmt auch über die Förderung hinaus im Austausch“, sagt Florian Borns, geschäftsführender Gesellschafter bei Digitale Helden.


Lehrkräfte begleiten die Ausbildung der jungen Mentor*innen mit Online-Kursen und Arbeitsgemeinschaften, Foto: Digitale Helden_Holger Menzel

Zum Start bietet die Akademie drei Kurse: „Mit Respekt im Klassenchat“ bietet eine Unterrichtsgrundlage, um mit Schüler*innen gemeinsam Regeln für die Kommunikation im Chat aufzustellen. Der Kurs „Recherchekompetenzen für Demokratie“ bereitet Lehrkräfte darauf vor, ihre Klassen für Falschinformationen im Netz zu sensibilisieren. Ganz neu im Programm ist der Kurs „Gemeinsam gegen Hass im Netz“: Hier lernen Lehrkräfte, wie sie Hetze und extremistische Äußerungen im Umfeld ihrer Schule wahrnehmen und dies in den Stufen 8 bis 11 in Unterrichtseinheiten zum Thema machen können. Der Kurs sowie die begleitenden Unterrichtsmaterialien sind kostenfrei auf der Digitale Helden Website abrufbar. Florian Borns erklärt: „Für eine positive Kommunikation und Kultur im Netz sind wir alle verantwortlich – unsere Kurse helfen dabei, diese Botschaft den Jugendlichen zu vermitteln.“