Hinter den Kulissen: Geflüchtete unterstützen mit der NOW-App

Freiwillige arbeiten im European Youth Center in Budapest an der Entwicklung der NOW-App ((Foto: Kriszta Csibi).

Als im Sommer 2015 tausende Menschen auf der Flucht aus Syrien am Budapester Bahnhof Keleti gestrandet waren, gingen die Bilder um die Welt. Hunderten Freiwilligen ist es zu verdanken, dass den Geflüchteten damals geholfen wurde. Und auch heute ist das Engagement von Freiwilligen enorm wichtig, um Geflüchtete mit dem Notwendigsten zu versorgen, sie auf dem Weg in ein neues Leben zu begleiten und ihnen Mut zu geben. Doch wer hilft eigentlich den Helfenden? Ein Angebot für Ehrenamtliche ist NOW. Der Verein aus der Schweiz entwickelt mit Hilfe von digital.engagiert, einer Förderinitiative von Amazon und Stifterverband, eine appbasierte Lernplattform für Helfer*innen, Organisationen und Vereinen. Sie zeigt, welche Kompetenzen Freiwillige durch ihr Engagement entwickeln und wo Förderungsbedarf besteht. In Budapest sind Freiwillige aus 15 Ländern zusammengekommen, um gemeinsam in Study Sessions an der Plattform zu arbeiten.

 

Budapest ist jung, hip, pulsierend und im Herzen Europas - so auch das European Youth Center Budapest. Die Einrichtung des Europäischen Rates setzt sich für die Wahrung der Menschenrechte und Solidarität in ganz Europa ein, besonders in Bezug auf Jugendliche und jungen Erwachsene. Dort hat das NOW-Netzwerk Anfang Oktober zur „Study Session“ geladen: 23 Freiwillige zwischen 18 und 38 Jahren, die sich für Menschen mit Fluchtgeschichte engagieren, haben sich dort getroffen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und Best Practices zu teilen. Ein weiterer Punkt auf der Agenda: Die gemeinsame Arbeit an Kompetenzen für die NOW-App.

Die Idee dahinter ist leicht erklärt: Diejenigen, die anderen helfen, brauchen meist selbst Unterstützung. Die App zeigt den Freiwilligen, welche Kompetenzen und Kenntnisse sie ausgebaut haben und in welchen Bereichen sie Unterstützung erfragen können. Und damit die Plattform für die Helfenden einen echten Unterschied macht, arbeiten die Projektverantwortlichen von NOW eng mit ihnen zusammen.

„Bis jetzt haben wir die Kompetenzen meistens für unsere eigene Programme oder im Auftrag anderer Vereine entwickelt“ erklärt Rahel Aschwanden, Mitgründerin von NOW. „Bei der Study Session ist es anders. Die Entwickler*innen haben zusammen mit den Freiwilligen Kompetenzen definiert, die sie für ihr Engagement brauchen. Dadurch konnten sie von den konkreten Erfahrungen und Bedürfnissen der Helfer profitieren. Die Kompetenzen wurden mit Wissen, Übungen und Reflexionsfragen gefüllt. So ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung entstanden, die auch anderen Freiwilligen helfen kann, sich für diese Arbeit zu qualifizieren. Die Teilnehmenden haben die Kompetenzen im Nachgang der Study Session zwei Wochen lang zu Hause getestet. „Damit man sieht, ob das was sie sich ausgedacht haben, auch praktisch funktioniert“, erklärt Rahel.

Mit der Förderung durch digital.engagiert haben die Macher*innen bereits das Dashboard der Lernplattform weiterentwickelt. Auf einen Blick können die Freiwilligen dort und in Echtzeit ihre individuelle Entwicklung einsehen. Und vielleicht wird dort schon bald ein Ergebnis aus der Study Session in Budapest zu sehen sein. Denn sowohl für die Projektverantwortlichen von NOW als auch für die ehrenamtlich Engagierten war sie eine motivierende Erfahrung. Sie konnten viele Impulse für ihre Arbeit mit Menschen mit Fluchtgeschichte mitnehmen – In den kleinen und großen Diskussionsrunden im European Youth Center, beim Besuch des lokalen Vereines KALUMBA, der sich für die Rechte der Geflüchteten einsetzt, oder in der Kaffeepause. „Eines ist allen klar geworden“, so Rahel: „wir können alle unseren Beitrag für eine inklusive Gesellschaft leisten, in der sich Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte willkommen und anerkannt fühlen“.

 

Als nächstes steht übrigens das groß Abschlussevent von digital.engagiert an – ob sich NOW einen der begehrten Preise sichern kann? Das erfahrt ihr am 20. November auf Twitter.

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