Mit dem Smartphone ins Beet – Das Projekt Garten-Real-Digital

Fehlender Nachwuchs und die Folgen des Klimawandels – vor diesen Herausforderungen stehen viele Gartenbauvereine. Der Verein Thaleischweiler-Fröschen 1890 e.V. aus der Pfalz hat sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht: Über die Digitalisierung wollen sie wieder mehr Jugendliche für die Gartenarbeit gewinnen und klimaresistente Gärten schaffen. Mit ihrem Projekt Garten-Real-Digital sind sie Teil der aktuellen Förderrunde von digital.engagiert.

Vor fünf Jahren übernahm Martin Klausmann den Vorstandsposten des Obst- und Gartenbauvereins Thaleischweiler-Fröschen 1890 e.V. Er fand einen Verein vor, der etwas in die Jahre gekommen war: „Das Durchschnittsalter lag bei etwa 70 Jahren“, sagt Martin. Junge Menschen für die Vereinsarbeit zu gewinnen, wurde Ziel und Herausforderung – wie für viele kleine Vereine auf dem Land. Doch das ist nicht die einzige Aufgabe, die Martin und seine Vereinskameradinnen und -kameraden bewältigen müssen: „In Zukunft werden wir durch den Klimawandel nicht mehr so gärtnern können, wie wir es bisher gekannt haben. Auch dafür müssen wir uns nachhaltige Konzepte überlegen“, erklärt er. Seine Idee: Mit digitalen Projekten Kinder und Jugendliche für den Gartenbau gewinnen und gleichzeitig Gärten resistent gegen den Klimawandel machen. Der Name für dieses Vorhaben war schnell gefunden: Garten-Real-Digital!

Mit Hilfe von Gartenarbeit Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit anschaulich vermitteln – Garten-Real-Digital will genau das: Gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Ort installiert Martin zum Beispiel Sensoren, die Feuchte und Temperatur im Boden und die Sonneneinstrahlung messen. Diese Daten werden an eine App gesendet, mit deren Hilfe die jungen Gärtnerinnen und Gärtner eine digitale Bewässerungsstation bedienen – direkt aus dem „Garten-IT-Haus“. Welche Pflanzen kommen mit weniger Wasser oder höheren Temperaturen besser zurecht? Müssen einige Blumen zukünftig an schattigeren Orten gepflanzt werden? Antworten auf diese Fragen lassen sich direkt aus den Daten ablesen. Auch Gruppen aus dem örtlichen Kindergarten sind regelmäßig zu Gast im Gartenbauverein. Von der Aussaat bis zur Ernte – der Vereinsnachwuchs ist immer dabei und lernt die Tricks und Kniffe der gestandenen Mitglieder.

In Zukunft soll Thaleischweiler-Fröschen Vorbild für Gartenbauvereine in ganz Deutschland werden, denn im Kampf gegen den Klimawandel ist Nachahmung erwünscht: „Die Daten aus unserem Garten wollen wir auf einer Web-Plattform sammeln und öffentlich zugänglich machen. Ganz besonders wollen wir andere Vereine ansprechen, die so eine Möglichkeit erhalten, Jugendliche über die Digitalisierung für das Thema Garten zu interessieren“, erklärt Martin.

Bei der Umsetzung der Plattform erhalten Martin und sein Verein Unterstützung von digital.engagiert. Besonders wichtig dabei ist das individuelle Coaching der Projektteams. Louise Buscham von der Stiftung Bürgermut steht dem Garten-Real-Digital-Team mit all ihrer Erfahrung im Projektmanagement zur Seite. „Konsequent und mit viel Humor hat Louise uns geholfen, unserem Ziel in klar definierten Schritten unaufhörlich näher zu kommen“, erzählt Martin. Hinzu kommen finanzielle Förderung sowie der Austausch mit anderen zivilgesellschaftlichen Projekten in einem großen Netzwerk. Die vielschichtige Unterstützung hilft den Vereinsmitgliedern dabei, ihre Idee zum Erfolg zu machen. Und so gibt es hoffentlich bald in vielen weiteren Obst- und Gartenbauvereinen begeisterten Nachwuchs, der den Garten fit für die Zukunft machen will.

Martin war auch vor Kurzem im Podcast Digitale Provinz zu Gast und hat über das Projekt berichtet. Hört doch mal rein!