OderDojo: Digitale Bildung auch in ländlichen Regionen

Coachin Louise Buscham von der Stiftung Bürgermut unterstützt das Projekt.
Projektleiterin Cornelia Gamst hat die OderDojos ins Leben gerufen.
In den Dojos können Kinder und Jugendliche Spiele, Websites und andere Anwendungen entwickeln oder auch mit Hardware-LEDs experimentieren.

OderDojo: Digitale Bildung auch in ländlichen Regionen

 

Immer mehr Menschen kommen aus ländlichen Regionen in größere Städte. Nicht so Cornelia Gamst von OderDojo: Entgegen dem Trend zieht es sie aus Berlin in die Oder-Spree-Region. Was sie braucht, um richtig anzukommen? Ein Projekt, das in der Region einen Unterschied macht. Daher baut Cornelia kurzerhand offene Programmier-Werkstätten für Kinder und Jugendliche auf. Denn gerade im ländlichen Raum besteht großes Potenzial, ihnen über solche und vergleichbare Initiativen wichtige digitale Kompetenzen wie Programmieren zu vermitteln. OderDojo, so der Name des Projekts, hat sich durch die Unterstützung von digital.engagiert und Coachin Louise Buscham deutlich weiterentwickelt. Wie genau, das erläutern Projektleiterin Cornelia Gamst und ihre Coachin im Interview.

 

Ganz kurz: Wer bist du und was machst du bei OderDojo?

Cornelia: Ich wohne und arbeite derzeit noch in Berlin. Seit einigen Jahren zieht es mich in die Oder-Spree-Region. Hier möchte ich wohnen. Eine Frage, die mich beschäftigt: Was brauche ich, um mich dort richtig wohlzufühlen? Ich arbeite selbst im Bereich der digitalen Bildung, weshalb mir recht schnell klar war, dass ich ein Projekt initiieren möchte, das in der Region einen Unterschied macht. Ich kannte die sogenannten CoderDojos aus Berlin, aber in der Oder-Spree-Region gab es solche Angebote bisher nicht. Und daher habe ich sie einfach selbst angestoßen.

 

Louise, was ist die Idee hinter OderDojo?

Louise: Die Dojos sind offene Programmierwerkstätten für Kinder und Jugendliche, die einfach und unbürokratisch Zugang zu wichtigen Digitalkompetenzen, wie etwa Programmieren, bieten. Bei den Veranstaltungen selbst können Kinder dann auf Basis von Online-Tutorials und Ansprechpartnern vor Ort Programmieren lernen: Sie entwickeln Spiele und andere Anwendungen, bauen Websites oder experimentieren mit Hardware-LEDs. Es ist wichtig, den Einstieg so unkompliziert wie möglich zu gestalten, damit die Kinder sich trauen, mitzumachen – besonders Mädchen, die sonst oft gehemmt sind.

 

Cornelia, auf welche Meilensteine von OderDojo bist du besonders stolz?

Cornelia: Das sind eine ganze Menge: Im Sommer konnten wir die Dojos erst in Letschin und dann in Beeskow starten. Vor kurzem sind wir zum ersten Mal in einer neuen Location in Beeskow, mit der wir vor allem auch Grundschüler*innen erreichen wollen. Bisher fand das Dojo in Beeskow in einem Jugendzentrum statt, weshalb eher Jugendliche teilgenommen haben. Und mein ganz persönliches Highlight: Ich bin sehr froh darüber, dass die neue Website online gegangen ist.

 

Cornelia, bei welchen dieser Meilensteine hat die Unterstützung durch digital.engagiert besonders geholfen?

Cornelia: OderDojo war erst einmal lokal auf Frankfurt an der Oder begrenzt. Für mich war schon früh klar, dass auch Kinder anderswo in Brandenburg von den Dojos profitieren können. Aber sowas allein auf die Beine zu stellen ist natürlich eine Herausforderung. Deshalb habe ich mich mit der Idee, die Dojos auszuweiten, bei digital.engagiert beworben – und das hat prima funktioniert. Besonders hilfreich für mich war dabei die Zusammenarbeit mit Louise: Weil sie bei der Stiftung Bürgermut arbeitet, verfügt sie über viel Wissen, wie wir das Angebot skalieren und dauerhaft ehrenamtliche Mitstreiter*innen gewinnen können.

 

Louise, welche Herausforderungen habt ihr in den vergangenen Monaten gemeinsam gemeistert?

Louise: Die größte Hürde kam von außen: Es waren Sommerferien. In diesem Zeitraum konnten keine Dojos stattfinden, weshalb wir verschiedene Dinge nicht ausprobieren konnten, zum Beispiel ob Wochen- oder Wochenendtage besser geeignet sind. Weil wir bei der Durchführung der Dojos die Unterstützung von Ehrenamtlichen brauchen, war das Freiwilligenmanagement ebenfalls eine Herausforderung. Wie können wir die Freiwilligen einbinden? Was motiviert sie, an welchen Aufgaben haben sie Spaß? Welches Know-how brauchen sie, um sich in den unterschiedlichen Aufgabenbereichen einzubringen? Das sind Fragen, die uns hierbei beschäftigen.

 

Louise, was nimmst du aus der Zusammenarbeit mit OderDojo für die Stiftung Bürgermut mit?

Louise: Wir arbeiten deutschlandweit mit Initiativen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten zusammen, viele von ihnen sind ehrenamtlich getragen. Uns ist wichtig, diese auf den ersten Blick sehr verschiedenen Organisationen miteinander zu vernetzen, denn sie stehen oft vor ähnlichen Herausforderungen: Wer sich engagiert, braucht Erfahrungswissen, Förderung und auch Motivation. Der Austausch von Engagierten leistet an dieser Stelle einen wichtigen Beitrag – gerade im ländlichen Raum, wo es insgesamt weniger Förderprogramme und Vernetzungsangebote gibt.

 

Cornelia, wieso ist digitales Engagement gerade in ländlichen Gegenden wichtig?

Cornelia: An der Digitalisierung kommt niemand mehr vorbei. Und wir alle müssen lernen, mit den neuen Technologien umzugehen. Mit den Dojos möchte ich genau die Kompetenzen fördern, die dafür wichtig sind. Wenngleich es in ländlichen Regionen, wie Louise zurecht sagt, bisher wenig Förderprogramme in diesem Bereich gibt und auch bei den Schulen noch Luft nach oben besteht, sehe ich großes Potenzial. Denn immer mehr Menschen mit hoher Digitalkompetenz können ortsunabhängig arbeiten und ziehen in den ländlichen Raum. Mit den Dojos möchte ich die Strukturen schaffen, damit sie ihre Expertise auch vor Ort einbringen können.

 

Cornelia, was sind eure Pläne, um die Dojos auch auf andere Städte auszuweiten?

Cornelia: Ich möchte die Marke „OderDojo“ so beflügeln, dass sich Freiwillige inspiriert fühlen, mitzumachen. Ich stelle mir ein Netzwerk vor, dass sich mit der Zeit verselbstständigt. Dann könnten wir die Organisation und die Einarbeitung von Mentor*innen zentral bündeln. Und wir scheinen auf einem guten Weg zu sein: Konkretes Interessente gibt es schon aus Müncheberg, Buckow, Bad Belzig und Fürstenberg.

 

Louise, was wünschst du dem Team von OderDojo für die Zukunft?

Louise: Ich wünsche mir, dass sich die Dojos noch weiter im ländlichen Raum verbreiten – und zwar nicht nur in Brandenburg. OderDojo ist das beste Beispiel dafür, dass solche Angebote auch abseits von Städten funktionieren. Vor allem aber wünsche ich Cornelia, dass sie es schafft, feste Unterstützung zu finden, die mit ihr gemeinsam OderDojo als Marke ausbaut.

 

Übrigens: digital.engagiert veröffentlicht noch 2019 die Ergebnisse einer von ZiviZ im Stifterverband und dem infas Befragungsinstitut durchgeführte Studie. Dort wird auch untersucht, wie ländliche Räume im Bereich digitaler Kompetenzen vor großen Herausforderungen stehen. digital.engagiert findet: Umso wichtiger, dass sich Projekte wie OderDojo vor Ort einsetzen!

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