Pflege durch digitale Bildung stärken: Die Novaheal-Lern-App

In Deutschland gibt es nicht genügend Fachkräfte in der Pflege.  Nicht zuletzt der rasante Anstieg der Anzahl stationärer Patient:innen und Pflegebedürftigen infolge  der Corona-Pandemie haben das deutlich gemacht. Hinzu kommt: Der demografische Wandel wird den Fachkräftemangel zuspitzen. Wie aber soll dieses Problem behoben werden, wenn immer mehr junge Menschen die Pflegeausbildung abbrechen? Schwer greifbare Inhalte, zu wenig Begleitung in der Praxis, dafür aber ein hohes Maß an Frustration – das ist die Situation, in der sich viele Pflege-Azubis befinden. Eine Lösung für sie bietet Novaheal mit seiner Lernplattform.

Unterstützt wurde das Start-up bei der Weiterentwicklung seiner Lern-App für angehende Pfleger:innen von der Förderinitiative digital.engagiert von Amazon und dem Stifterverband.

 

Auf Demotivation folgt Abbruch

„Die Abbruchquote in der Pflegeausbildung liegt im bundesweiten Durchschnitt ungefähr bei 30 Prozent“, sagt Valentin Johannsen, einer der drei Gründer des Bochumer Start-ups Novaheal.  „Für die Zukunft der Pflege bedeutet das: Der akute Fachkräftemangel wird sich verschärfen. Und woran liegt das? Unter anderem an der Art und Weise, wie die Ausbildung konzipiert ist.“Valentin ist – ebenso wie der Mitgründer Samuel Bongartz – examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger mit Berufserfahrung in der Intensiv- und Anästhesiepflege. Komplettiert wird das Gründer-Trio durch den Betriebswirtschaftler Turan Tahmas, der den Pflegeberuf im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) kennenlernte.

Alle drei kennen das Problem aus eigener Erfahrung: Die Pflegeausbildung und die Versorgung mit relevanten Informationen im Berufsalltag sind an vielen Stellen alles andere als zeitgemäß. Auszubildende werden in der Praxis häufig mit Pflegesituationen konfrontiert, denen sie in frühen Stadien ihrer Ausbildung nicht gewachsen sind. Hauptursachen sind zu kurze Anleitungszeiten oder Personalmangel. Viele beginnen auf eigene Faust zu recherchieren – meist online. Doch wer sichert die Qualität der Web-Inhalte, auf die zurückgegriffen wird? Leicht gerät falsches Wissen in Umlauf und im schlimmsten Falle kommt es zu groben Fehlern in der Patient:innenversorgung.

 

Digital, mobil, praxisnah

Die Novaheal-Lern-App bündelt das Wissen der gesamten generalistischen Pflegeausbildung. Einerseits ist die App ein digitales Nachschlagewerk: Feststehende Lerninhalte und aktuelles Wissen sind kompakt aufbereitet, einfach erklärt und können schnell abgerufen werden auch im Arbeitsalltag. Pflegespezifische News zeigen den Auszubildenden zudem, wie und wo sie sich berufspolitisch engagieren und ihren Berufsalltag mitgestalten können. Die Qualität der Lerninhalte sichert ein Team aus Lehrkräften unterschiedlicher Kliniken. Außerdem reichert das Novaheal-Team das Lernmaterial in Zusammenarbeit mit den Expert:innen mit konkreten Praxisbezügen an. Mit Fallgeschichten zu Pflegesituationen, interaktiven Lehrvideos, Quizzen und verschiedenen Abfrageformaten wie Multiple-Choice, Bild-zu-Text-Fragen oder Lernkarten lernen die Azubis spielerisch, worauf es im Berufsalltag ankommt. Vervollständigt wird der Gamification-Ansatz mit der Möglichkeit, gegeneinander in Quizduells anzutreten – eine Motivationsspritze für jede:n Nutzer:in. „Die Realisierung des Projekts ist uns eine Herzensangelegenheit, denn wir glauben, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung und der Zugang zu Bildung eine ganz zentrale Rolle für eine funktionierende Gesellschaft spielen. Die Verbesserung des Gesundheitssystems muss bereits in der Ausbildung von Pflegekräften beginnen. Durch unser digitales Angebot können sich Azubis flexibel, einfach und multidimensional Wissen aneignen und so Sicherheit für ihre Arbeit und Klausuren gewinnen,“ so Samuel.

 

digital.engagiert: Netzwerken, austauschen, weiterentwickeln

„Der Kontakt mit Menschen, die beim Aufbau ihres Start-ups mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, und der Austausch mit den Expert:innen von Amazon, Amazon Web Services und Stifterverband hat uns dabei geholfen, wichtige Meilensteine zu erreichen,“ berichtet Turan. Das Novaheal-Team wurde größer, die Idee und das Angebot sind mittlerweile durch repräsentative Umfrageergebnisse gestützt und die App ist technisch einsatzbereit. Ein ganz besonderer Meilenstein: die Förderung durch das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Fest steht: Die Zukunft hält für das Team einiges bereit – das verrät nicht nur die Vielzahl an Kooperationen und Partnern, mit denen das Start-up bereits zusammenarbeitet. Auch die Ausweitung der Lernplattform auf weitere Gesundheitsberufe oder die Laienpflege ist denkbar. Es bleibt spannend!