Politik einfach gemacht – Lass nicht andere für Dich entscheiden

Susanna und Jess von Vote Rookie: Sie helfen jungen Menschen mithilfe einer überparteilichen Online-Plattform dabei, Politik zu verstehen und daran teilzuhaben. (Foto: Vote Rookie; Illustrationen: Freepik, Amrit Pal Design)

Die Bundestagswahl steht vor der Tür: Wen wirst du am 26. September wählen? Viele junge Menschen – und ganz besonders diejenigen, die ihre Stimme zum ersten Mal abgeben dürfen – wissen das nicht. Sie fühlen sich schlecht informiert. Der trockene Politik-Unterricht steht einer lauten, polarisierenden Debatte in den klassischen und sozialen Medien gegenüber. Und mittendrin: junge Menschen, die selbst über ihre Zukunft entscheiden möchten. Wo fängst du an, wenn du von deinem Recht, dich aktiv an Politik zu beteiligen, Gebrauch machen willst?

Das digital.engagiert-Team Vote Rookie hilft jungen Menschen mithilfe einer überparteilichen Online-Plattform dabei, Politik zu verstehen und daran teilzuhaben.

Vielfältige Geschichten und Hintergründe in der Politik

Wie können sich Jugendliche auf einfachem Wege zu politischen Themen informieren und dieses Wissen in aktive Beteiligung umwandeln? Susanna Maiers Antwort auf diese Frage: mithilfe einer digitalen Plattform inklusive App und zielgruppengerechtem politischen Bildungsangebot. Diese Idee hat die in Deutschland lebende Österreicherin 2020 im Rahmen des Berliner Start-up Stipendiums in die Tat umgesetzt und Vote Rookie gegründet. „Ich habe erkannt, dass das politische Bildungssystem und der Zugang zu Beteiligung ein Update brauchen. Deshalb engagiere ich mich politisch,“ erklärt Susanna. Ihre Idee fand schnell Unterstützer*innen. Darunter auch Jess Davis. Die gebürtige Engländerin kam vor zehn Jahren nach Deutschland: „Für meinen Einbürgerungstest musste ich mich mit vielen politischen Themen auseinandersetzen. Dabei habe ich festgestellt, wie schwierig es ist, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Institutionen und Akteuren zu verstehen.“

Was die beiden antreibt: Ihre Vision, junge Menschen zum Mitmachen zu motivieren. Jüngere brauchen eine Anlaufstelle, über die sie einfach an verständliche Informationen gelangen und die ihnen konkrete Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigt. Aber nicht nur das: Vote Rookie nimmt eine Veränderung in den politischen Interessen wahr: „Die junge Generation ist und denkt interkulturell, betrachtet politische Themen aus unterschiedlichen, neuen Blickwinkeln und findet daher schwer Zugang zur Politik. Denn ihren Perspektiven schenken die Älteren, die in der Politik noch immer stärker vertreten sind, zu wenig Aufmerksamkeit. Die Motivation, sich zu beteiligen, bleibt daher bei vielen jungen Menschen auf der Strecke,“ ergänzt Susanna. Diese „junge“, interkulturelle Perspektive auf politisches Engagement greift Vote Rookie mit der Online-Plattform auf: „Bei uns zählt jede Stimme. Jede*r Interessent*in ist hier willkommen. Jung, mit oder ohne Migrationshintergrund, unabhängig der Hautfarbe.“

Spielerisch Demokratie lernen

Die Vote Rookie-Demokratieplattform unterstützt junge Menschen dabei, ihr politisches Wissen auszubauen und einzubringen. Ein zentraler Baustein ist eine App zur Bürgerbeteiligung. Die App basiert auf einem Gamification-Ansatz. Für politisches Engagement, etwa das Einreichen einer Petition, erhält man Punkte. Ab einem bestimmten Punktestand können Mitglieder Punkte gegen Goodies eintauschen: entweder für einen guten Zweck, z.B. für ein Waldaufforstungsprojekt, oder für sich selbst in Form von Notizheften, Stickern, Büchern oder sogar Rabatten bei Kooperationspartnern. Außerdem ermöglicht es die App den Nutzer*innen, Kampagnen und Bürgerinitiativen zu starten oder zu unterstützen und direkt mit Politiker*innen und gewählten Vertreter*innen in Kontakt zu treten. Ziel ist ein möglichst langfristiges Engagement der Teilnehmenden.

Das politische Bildungsangebot setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Workshops, einer digitalen Wissensplattform und einem Botschafter*innenprogramm. Die Workshop-Konzepte basieren auf einem Set an innovativen Methoden, die Teilnehmende dazu anregen sollen, eigene Ideen zu entwickeln und einzubringen. Bei Vote Rookie treffen Demokratiebotschafter*innen auf junge Menschen. „Ziel ist es, mit so vielen Menschen wie möglich in den Austausch zu treten und interessante Einblicke zu gewinnen – und das natürlich interkulturell,“ schildert Jess.

Skandale zerstören Politik-Begeisterung

Einer großen Herausforderung begegnet das Vote Rookie-Team immer wieder: „Es ist schwierig, ein Produkt anzubieten, das zur politischen Teilhabe motiviert. Selbst wenn das Ganze Spaß macht und begeistert, gibt es immer wieder Skandale oder Fake News, die die Politik nicht attraktiver machen,“ gibt Susanna zu bedenken. Trotzdem ist bei Vote Rookie vieles in Bewegung: Die Community wächst, motivierte Botschafter*innen gehen aktiv auf Susanna und Jess zu und für das politische Bildungsangebot wurde der Verein „Rookies for Democracy e.V.“ gegründet.

Auch im Rahmen von digital.engagiert hat das Team einiges in Angriff genommen. „Wir sind gerade dabei, unsere App zu programmieren. Die technische Unterstützung, die uns durch digital.engagiert zur Verfügung steht, ist einzigartig. Aber nicht nur das. Auch der frische Blick der Expert*innen von Amazon, dem Stifterverband und Amazon Web Services hat uns in vielen Situationen weitergeholfen,“ erzählt Susanna.

Wahltag: Jede Stimme zählt

Die Vorbereitungen auf die Bundestagswahl im September laufen bei Vote Rookie bereits auf Hochtouren. Bis dahin wird es eine Handvoll Aktionen geben, die den Jugendlichen bei der Entscheidungsfindung helfen sollen. In einem Wahl-Heft und in einer kleinen Wahl-Ecke in der App werden alle Informationen rund um die Parteien, die Kandidat*innen und die Wahlprogramme bereitgestellt. Außerdem wird es verschiedene Challenges geben, u.a. zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.

In der deutschen Politik wie auch bei Vote Rookie ist viel los. Vielversprechende Aussichten für das junge Start-up!