Rückwärts arbeiten, um vorwärts zu kommen!

Mit viel Kreativität gestalteten die Teams ihre ersten Storyboards: Hier ein Beispiel vom Team „Corona School”

Während für viele junge Menschen in der Schule oder im Studium die Ferien beginnen, geht die Arbeit für die Teilnehmer*innen bei digital.engagiert erst richtig los. Nach dem Kennenlernen beim virtuellen Kick-Off-Event im Juni und der Ausschüttung der ersten Fördersumme begannen die zwölf Teams gemeinsam mit ihren Coaches an der Umsetzung ihrer Idee zu arbeiten. Gerade zu diesem frühen Zeitpunkt der Förderrunde haben die digital Engagierten viele Ideen, wie sie ihr Projekt weiter entwickeln wollen. Um die passenden Ideen für die jeweiligen Zielgruppen zu finden, hat sich ein Prozess bewährt: Working Backwards!


Für die Teams von digital.engagiert noch neu, gehört die Working-Backwards-Methode bei Amazon schon lange zur DNA. Wie der Name andeutet, ist das Motto: „Start with the customer and work backwards“. Lars Schmitz, Jurymitglied von digital.engagiert und Digital Innovation Lead von Amazon Web Services (AWS), hat deshalb in einer zweitägigen Session den Teams die Methode und seine Erfahrungen nähergebracht. Er kennt sich damit aus, verschiedene Organisationen und Projekte digitaler und innovativer zu gestalten. Seine Botschaft an die Teilnehmer*innen: „Macht euch klar, was eure Mission ist!“
Zunächst gilt es erst einmal herauszufinden, welches Problem gelöst werden soll und wer dieses Problem eigentlich hat. Was zunächst einfach klingt, ist oftmals gar nicht so leicht zu beantworten und führt nicht selten dazu, dass gute Ideen am Ende verworfen werden, weil sie kein ausreichend konkretes Problem angehen oder nicht zur Zielgruppe passen. Amazons vielerprobter Working-Backwards-Prozess samt fünf sehr konkreten Leitfragen soll auch den zwölf teilnehmenden Teams von digital.engagiert helfen. Sie beantworten nach und nach Leitfragen wie „Wer ist der Kunde?“ oder „Was ist der größte Nutzen für den Kunden?“ und gießen ihre Lösungsidee schließlich in die Form einer fiktiven Pressemitteilung, eines Dokuments mit allen Fragen und Antworten, die sie als Reaktion auf die Pressemitteilung erwarten würden und einem Storyboard, das die gewünschte Erfahrung der Zielgruppe beschreibt.

Ziel der Pressemitteilung ist es, der jeweiligen Zielgruppe das spätere Endprodukt zu präsentieren und das zu lösende Problem zu beschreiben. Die Teams sollen sich also am Anfang des Innovationsprozesses gedanklich an ihr Ende begeben und sich fragen: „Was genau braucht meine Zielgruppe tatsächlich, damit ihr Problem gelöst wird?“. Martin vom Projekt KonTEXT stellt fest: „Über die Pressemitteilung sind wir intensiv in die Diskussion eingestiegen und haben gemerkt, dass sich dadurch neue Fragen ergeben.“ Und auch das Storyboard, mit dem die Teams ihre verschiedenen Ansätze und Ideen in einer Art Comic darstellen, gibt weitere Aufschlüsse. „Mit dem Storyboard wurde noch einmal deutlich, wo wir den Fokus setzen müssen“, sagt Florian von Digitale Helden, der sein Storyboard in der virtuellen Working-Backwards-Session vorstellte. Eine wichtige Erkenntnis, die die Teams außerdem mit dem Instrument des Storyboards erlangen: Nicht nur die Idee wird klarer, auch der entsprechende Nutzen für die Zielgruppe wird plötzlich viel deutlicher.

Die Fragen, die sich währenddessen und auch im weiteren Verlauf ergeben, halten die Teams in einem FAQ-Katalog fest. Einige davon kamen während dieser ersten Working-Backwards-Sessions auf und konnten direkt im Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen beantwortet werden. „Die Teams müssen den Working-Backwards-Prozess mit neuem Feedback der Zielgruppe immer wieder von Beginn durchlaufen. Aber auch die gegenseitige Unterstützung und Inspiration der Teilnehmer*innen ist hilfreich. Deshalb ist es toll zu sehen, wie sich die Teams in dieser Förderrunde gegenseitig inspirieren“, zeigt sich Lars Schmitz zufrieden. Auch wenn er weiß, dass diese Arbeit zeitintensiv ist, stellt er immer wieder fest: „Es lohnt sich, am Anfang viel Zeit zu investieren, um eine genaue Vorstellung der Idee zu entwickeln. Das spart viele Mühen und Kosten, die entstehen würden, wenn man an etwas arbeitet, was eigentlich keiner wirklich braucht.“ Damit bietet die Working-Backwards-Methode die ideale Basis für die kommenden Monaten und den Teilnehmer*innen mit ihren vielen guten Ideen einen klaren Fokus.