Schule ein Gesicht geben

Das Team um Schule ein Gesicht geben e.V. unterstützt Schüler*innen bei der Wahrnehmung ihrer Rechte mit Wissen und Beratung. (Foto: Schule ein Gesicht geben e.V.)
In Seminaren und Fortbildungen erarbeiten Schüler*innen gemeinsam mit den Trainer*innen nützliche Inhalte für die eigene SV-Arbeit. (Foto: Schule ein Gesicht geben e.V.)
Im Rahmen von digital.engagiert digitalisiert das Team die Inhalte, die bislang in Fortbildungen und Seminaren vermittelt wurden. Über eine App können sie einfach und schnell abgerufen werden – jederzeit. (Foto: Schule ein Gesicht geben e.V.)

Mitdenken, mitreden, mitgestalten: Schüler*innenvertretungen gibt es schon viele Jahre. Denn Demokratie muss im Kleinen anfangen, um im Großen verstanden und gelebt zu werden. Daran glaubt die Initiative Schule ein Gesicht geben e.V. Aber können Schüler*innenvertretungen etwas bewegen? Lohnt sich das Engagement im deutschen Schulsystem überhaupt? Ihre Antwort ist: Ja, wenn die Arbeit von Schüler*innenvertretungen Mitwirkung möglich macht, Schüler*innen-Stimmen in die Gestaltung des Schulalltags einfließen und Veränderungen sichtbar werden.

Schule ein Gesicht geben e.V., eins von zwölf digital.engagiert-Teams der aktuellen Förderrunde, unterstützt die Arbeit von Schüler*innenvertretungen mit Wissen und Beratung in Form von Fortbildungen, Netzwerkmöglichkeiten und einer App als Wissensplattform.

 

Schüler*innen eine Stimme geben

„In meiner Schulzeit habe ich mich selbst als Schülervertreter engagiert. Von da an lief es viel entspannter im Schulalltag: Ich hatte Spaß, habe Leute getroffen, mir ein großes Netzwerk aufgebaut,“ erzählt Jonas Schmidt, Gründer des Vereins. Jonas‘ Schilderung zeigt: Schüler*innenvertretungsarbeit verbindet, weil man für eine gemeinsame Sache kämpft. Aber nicht nur das: „Selbstwirksamkeit im eigenen Alltag zu erfahren, prägt sehr stark. Diese Erfahrung möchte ich Schüler*innen mit meinem Engagement auch ermöglichen,“ ergänzt Tanja Hoss, Referentin für politische Bildung im Verein.

Die Idee für Schule ein Gesicht geben entstand aus einem großen Bedarf heraus: Schüler*innen wissen oft nicht, wie sie ihre Rechte einfordern können. Laut Schulgesetz ist das Heranführen an demokratische Abläufe Aufgabe der Schulen. In der Realität sieht das nicht selten anders aus – und genau hier knüpft die Arbeit von Schule ein Gesicht geben an. Schule soll ein Ort der Mitgestaltung und der Gemeinschaft sein – kein anonymer Ort zum Lernen. Wichtig ist, dass Schüler*innen sich in ihrem Schulalltag wiederfinden und damit identifizieren können.  Für Jonas ist klar: „Es gibt Schulgesetze. Diese sollen den Jugendlichen zugutekommen.“ Aus diesem Grund hilft das Team – eine Gruppe von ehemaligen Schülervertreter*innen, Dozent*innen aus der politischen Bildung und weiteren Ehrenamtlichen– den jungen Engagierten dabei, die Arbeit von Schüler*innenvertretungen (SV-Arbeit) zielführend und nachhaltig zu gestalten, sodass Schüler*innen mitreden und von ihren Rechten Gebrauch machen können.

 

Demokratie im Schulalltag: analog und digital

In den Fortbildungen gibt das Team Input zu den Hintergründen der SV-Arbeit und Tipps zu effektiven Arbeitsweisen.   Gemeinsam mit den Teilnehmenden entwickelt es Pläne für die eigene Schüler*innenvertretung. Kommen Schüler*innen bei Konflikten nicht zu ihrem Recht, können sie bei der Beratungsstelle des Teams Unterstützung anfragen. Das A und O ist der Austausch im Netzwerk. Dieser findet in Regionalgruppen statt: SV-Aktive, die sich zusammentun, um Wissen und Erfahrungen zu teilen. Eine App soll diese Inhalte auch digital zugänglich machen.

Die Web-App „Mein SV-Wissen“ ist eine Sammlung von relevanten Informationen und Materialien für den SV-Alltag sowie Beispiel-Projekten und Lösungen, die andere Schüler*innenvertretungen für ihre Probleme gefunden haben – jugendgerecht, praxisorientiert und interaktiv. Für Interaktion und die spielerische Auseinandersetzung mit der Thematik sorgen Videos, Prezis, Checklisten, Grafiken und Quizzes. Aufgegriffen werden alle Themenfelder rund um die SV-Arbeit: Was ist SV-Arbeit? Welche Rechte haben wir? Wen können wir ansprechen, wenn wir Unterstützung brauchen? Mithilfe von Feedback werden die Themen regelmäßig aktualisiert. Das Besondere: Ein solches Angebot gibt es bisher nicht. „Es wurde immer wieder nach einer App gefragt – letztlich haben wir die Umsetzung einfach gewagt,“ erklärt Tanja.

 

Wachstum? Ja – aber koordiniert

Was das Team aktuell bewegt: das Wachstum ihres Vereins. „Unser Angebot wird immer gefragter und es wollen sich uns immer mehr Menschen anschließen. Das ist toll, allerdings müssen wir unsere internen Strukturen noch an das stetige Wachstum anpassen,“ schildert Jonas. Gleichzeitig braucht das Team bei der Vielfalt seiner Aufgaben Unterstützung. Neuzugänge sind deshalb herzlich willkommen: kontakt@schuleeingesichtgeben.de. Die Herausforderung liegt darin, das schnelle Wachstum zu koordinieren. „Wir haben einige Herausforderungen, aber wir sind drauf und dran, Lösungen für diese zu finden und umzusetzen,“ sagt Tanja.

Das Team von Schule ein Gesicht geben hat schon einige Meilensteine erreicht. Vor allem die Wochen um den digital.engagiert-Hackathon waren aufregend: Entwürfe für die App erstellen und finalisieren, eine*n Programmierer*in finden – der erste Prototyp war direkt ein voller Erfolg für das Team. Genauso wie die Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung hatte das Team die Kapazitäten, intensiv an der Weiterentwicklung seiner Inhalte zu arbeiten. Die Arbeit lohnt sich: „Wir sehen jeden Tag so viele inspirierende Projekte von Schüler*innenvertretungen. Ob ein eigenes Gremium zur Mitwirkung bei Disziplinarverfahren, Schul-Demos gegen Rassismus oder ein LGBTIQ+-Café. All diese Projekte zeigen, was SV-Arbeit bewegen kann,“ erzählt Tanja.

 

digital.engagiert brachte einen Stein ins Rollen

Das größte Projekt des Teams während des Förderzeitraums von digital.engagiert ist die Digitalisierung der Bildungsarbeit: die Web-App. „Ohne die Initiative wäre die App dieses Jahr nicht möglich gewesen. Das hätten wir nicht geschafft. digital.engagiert hat einen Stein ins Rollen gebracht,“ berichtet Jonas. Vor allem die Coachings und der Austausch mit den Expert*innen von Amazon, Amazon Web Services und Stifterverband haben Schule ein Gesicht geben rund um die Themen Fundraising, Pitching und Social Impact sehr geholfen. Mit der Entwicklung der App hat das Team einen großen Schritt nach vorne gemacht. Parallel zur Finalisierung der App und der Aufbereitung von Inhalten und Tutorials für diese hat Schule ein Gesicht geben einen Instagram-Kanal eingeführt, baut die Zielgruppenansprache auf diesem aus und experimentiert weiterhin bei den Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Regionalgruppen. Die deutschlandweite Ausbreitung des Angebots nimmt ebenso einen Platz auf der To-do-Liste des Teams ein – so sollen Schüler*innenvertretungen aus allen Bundesländern relevante Informationen digital wie analog nutzen können.